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Inhalt:
Seit wann hat Ernst Jandl Schriftsteller werden wollen, und
warum hat er dennoch 25 Jahre als Lehrer in der Schule zugebracht?
Warum hat er eigentlich mit einer beharrlichen Konsequenz
fast nichts als Verse geschrieben und immer wieder Verse?
a komma punkt zeichnet anhand von Bildern und Texten nach,
wie Ernst Jandl zum bedeutendsten Neuerer unter den Lyrikern
geworden ist und gegen erbitterten Widerstand zu Ruhm gelangte.
Fazit:
"Ernst Jandl war ein Wiener Gymnasialprofessor, ein deutscher
Dichter und ein österreichisches Wunder. Er war und blieb
ein braver Bürger und wurde seines Vaterlandes nobelster
Bürger-schreck. Er war ein ordentlicher Pädagoge
und wurde ein außer-ordentlicher Poet. Er war ein Lehrer
wie andere auch und ein Lyriker wie keiner sonst", schreibt
Marcel Reich-Ranicki in seinem Nachruf über Ernst Jandl.
Noch kurz vor dessen Tod am 9. Juni 2000 erschien ein Band,
der des Dichters Leben in Texten und Bildern überaus
anschaulich behandelt. In bestechender Weise geht der Autor
Klaus Siblewski nicht chronologisch vor, sondern gliedert
Jandls Leben in sieben Wegmarken: die Familie, den Krieg,
Friederike Mayröcker, das Experiment, seine Lesungen,
Ernst Jandl selbst und die Musik. Zuletzt steht das Interview
"Küß die Hand, gute Nacht", das sich
mit dem Altern beschäftigt und das letzte ist, das Jandl
vor seinem Tod gab.
In
der Manier der Rowohlt-Monographien kombiniert der Band Text,
Zitat und umfangreiches Bildmaterial zu einem greifbaren Ganzen.
Anders als das kleine Taschenbuch räumt dieser Band dem
Phänomen Jandl weitaus mehr "Raum" ein. Die
Hommage der taz beispielsweise, die anlässlich des 65.
Geburtstages von Jandl auf ihrer Titelseite in Jandlscher
Manier und dem Gedicht "lichtung" folgend alle "l"
gegen ein "r" ausgetauscht hatte, wird gut lesbar
präsentiert. Die häufig großformatigen Abbildungen
lassen auch Jandls Wirkung auf das Publikum und sein Agieren
während seiner legendären Lesungen erahnen.
Jandl,
der Monolit innerhalb der poetischen Avandgarde: Kein Mitglied
der Wiener Gruppe, Kontakte zu den führenden deutschen
Poeten der konkreten Poesie und immer für sich stehend.
Es wird offenkundig und nachvollziehbar, weshalb sein Oeuvre
so schmal, seine Lyrik so intensiv ist. Nicht weniger ausführlich
und taktvoll behandelt Siblweski das Verhältnis zwischen
Jandl und Friederike Mayröcker sowohl in privater wie
künstlerischer Hinsicht.
Dieser Band wird einen erheblichen Teil dazu beitragen, dass
nicht nur die Lyrik des Poeten unvergessen bleibt, sondern
das Phänomen Jandl als solches.
(©
2001 Ivonn Kappel)
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