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Krimi/Thriller

Eisfieber

Autor: Ken Follett
Übersetzt von: Till R. Lohmeyer , Christel Rost

Roman
gebunden mit Schutzumschlag, 359 Seiten
mit neun Illustrationen von Jan Balaz
erschienen: September 2005
Lübbe
ISBN: 3785722206
Preis: 22,90 Euro

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Buchbesprechung - Rezension:
Der Autor schafft es, wieder, eine Geschichte mit Inhalt dramatisch korrekt zu erzählen. Vom Tod durch Meister Langohr über das Plantschen mit nacktem Mannweib zum „joy riding“ und einer Verfolgungsjagd auf der winterglatten Landstraße ist fast alles dran an diesem Roman.
An der "Nadel" faszinierte die Charakterdarstellung vor dem historischen Kolorit; in den „Säulen der Erde“ die Fachkenntnis und das Einfühlungsvermögen, und "Die Leopardin“ war einfach eine tolle Frau mit den falschen Männern in komplexer Geschichte. All das fehlt hier.

Die Idee ist schnell resümiert: Kleines Biolabor wird wegen grober Sicherheitsmängel heiß, es gibt körperlich oder seelisch Tote beim Widerstand gegen Auftragsdiebe, die Heldin reißt sich zusammen, verliebt sich in den Prinzen, wischt so ganz nebenbei dem Ex eins aus und ist am Ende — die Bösen sind gefasst oder erledigt — mit neugewonnenem Familienanschluss fein raus. Daraus kann ein erfahrener Autor, und das ist Follet ja, natürlich kurzweilige Unterhaltung drechseln. Ein Roman, den man später gerne wieder liest, wurde aber nicht daraus, sondern ein einmaliges Lesevergnügen ohne Tiefenwirkung.

Die Personen bleiben das, was sie am Anfang sind, und entwickeln sich nicht erkennbar. Die vorhersehbare Handlung hat gelegentlich wenig mit der Realität zu tun; ein Stufe-4-Biolabor funktioniert auch im eher ländlichen Schottland nicht wie der Zahntechniker in der Kreisstadt, und die britische Polizei geht in der heutigen Zeit gewiss nicht mit gelangweilter Arroganz an Fälle mit Terrorpotenz heran. Ob beim Autofahren auf Eis oder beim Dekon-Einsatz gegen hochinfektiöse Erreger: Biß entwickelt die Geschichte nicht, nur ein Ritzen an der Haut. Die Gauner sind böse und benehmen sich so, die Forscher versponnen-naiv, die Emporkömmlinge nur geldverliebt und die Guten so richtig zum Knuddeln. Mit der gebrechlichen Oma wird dann noch die Tränendrüse stimuliert, und die einzig glaubwürdig erscheinenden Protagonisten sind der doktorspielende Nachwuchs.

Positiv hervorheben kann man die gute und flüssige Übersetzung von Lohmeyer/Rost sowie die sehr gelungene Gestaltung von Schutzumschlag und Einband mit dem Symbol für Biogefährdung. Dennoch kein Buch für den Bücherschrank, sondern eins für die verlängerte Mittagspause in der örtlichen Leihbibliothek.

(© 2006 Michael Titz für all-around-new-books.de)

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