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Buchbesprechung
- Rezension:
Der Autor schafft es, wieder, eine Geschichte mit Inhalt
dramatisch korrekt zu erzählen. Vom Tod durch Meister
Langohr über das Plantschen mit nacktem Mannweib
zum „joy riding“ und einer Verfolgungsjagd
auf der winterglatten Landstraße ist fast alles
dran an diesem Roman.
An der "Nadel"
faszinierte die Charakterdarstellung vor dem historischen
Kolorit; in den „Säulen
der Erde“ die Fachkenntnis und das Einfühlungsvermögen,
und "Die
Leopardin“ war einfach eine tolle Frau mit
den falschen Männern in komplexer Geschichte. All
das fehlt hier.
Die
Idee ist schnell resümiert: Kleines Biolabor wird
wegen grober Sicherheitsmängel heiß, es gibt
körperlich oder seelisch Tote beim Widerstand gegen
Auftragsdiebe, die Heldin reißt sich zusammen,
verliebt sich in den Prinzen, wischt so ganz nebenbei
dem Ex eins aus und ist am Ende — die Bösen
sind gefasst oder erledigt — mit neugewonnenem
Familienanschluss fein raus. Daraus kann ein erfahrener
Autor, und das ist Follet ja, natürlich kurzweilige
Unterhaltung drechseln. Ein Roman, den man später
gerne wieder liest, wurde aber nicht daraus, sondern
ein einmaliges Lesevergnügen ohne Tiefenwirkung.
Die
Personen bleiben das, was sie am Anfang sind, und entwickeln
sich nicht erkennbar. Die vorhersehbare Handlung hat
gelegentlich wenig mit der Realität zu tun; ein
Stufe-4-Biolabor funktioniert auch im eher ländlichen
Schottland nicht wie der Zahntechniker in der Kreisstadt,
und die britische Polizei geht in der heutigen Zeit
gewiss nicht mit gelangweilter Arroganz an Fälle
mit Terrorpotenz heran. Ob beim Autofahren auf Eis oder
beim Dekon-Einsatz gegen hochinfektiöse Erreger:
Biß entwickelt die Geschichte nicht, nur ein Ritzen
an der Haut. Die Gauner sind böse und benehmen
sich so, die Forscher versponnen-naiv, die Emporkömmlinge
nur geldverliebt und die Guten so richtig zum Knuddeln.
Mit der gebrechlichen Oma wird dann noch die Tränendrüse
stimuliert, und die einzig glaubwürdig erscheinenden
Protagonisten sind der doktorspielende Nachwuchs.
Positiv
hervorheben kann man die gute und flüssige Übersetzung
von Lohmeyer/Rost sowie die sehr gelungene Gestaltung
von Schutzumschlag und Einband mit dem Symbol für
Biogefährdung. Dennoch kein Buch für den Bücherschrank,
sondern eins für die verlängerte Mittagspause
in der örtlichen Leihbibliothek.
(©
2006 Michael Titz für all-around-new-books.de)
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