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Roman/Erzählung

Der schöne Ort

Autor: Tankred Dorst

Erzählung
gebunden mit Schutzumschlag, 105 Seiten
erschienen: August 2004
Suhrkamp
ISBN: 3-518-41635-9
Preis: 16,80 Euro
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Inhalt:
Ein kleines Mädchen, Lilly, bricht nach Spanien auf, um ihren Vater zu suchen, der, so meint sie, dort König ist. In ihrem kindlichen Wahn begeht sie ein Verbrechen. Robins schöner Ort liegt anderswo, er springt mit seiner Freundin vom Hochhaus, während Bissmeier, bisher ein erfolgreicher Jurist, sich von allen Bindungen lossagt und ein Attentat plant, als Warnung vor der kommenden Finsternis der Welt. Und Lisa, die immer nur die Romane anderer vom Tonband ins Reine schreibt, schlüpft in ein fremdes Leben und öffnet damit dem Verhängnis die Tür.
Glücksucher sind hier am Werk, von Sehnsucht Getriebene, die einander in Episoden begegnen, sich beharrlich in ihren Welten verirren, in Szenen leben, die sie selbst arrangieren, mit den immergleichen Mitteln und Ideen – Leidenschaft, Geld, Ausbruch, Diebstahl, Mord. Und immer leuchtet am Horizont der phantastische Traum vom schönen Ort, dem unerreichbaren Fixpunkt allen Verlangens.
In seinen irritierend realen Geschichten, komisch und böse zugleich, geht Tankred Dorst, gemeinsam mit Ursula Ehler, einer der drängendsten Fragen nach: Was macht das Leben lebenswert? Entstanden ist ein erstaunliches Buch, ein Reigen, erzählt von einem, dem sonst die Bühne gehört.

(© 2004 Suhrkamp Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:
Ohne Zweifel zählt der Büchner-Preisträger Tankred Dorst zu den kreativsten und produktivsten Autoren unseres Landes. Seit den 60-er Jahren hat er die deutschen Theater mit Dutzenden Stücken bereichert, in den 70-er Jahren in enger Zusammenarbeit mit Peter Zadek. Seine literarischen Arbeiten sind Stücke, Libretti, Hörspiele, Drehbücher, alles dialogische Werke. Mit Der schöne Ort legt er nun eine Erzählung vor. Da kann man gespannt sein.

"Glücksucher sind hier am Werk, von Sehnsucht Getriebene. (...) In seinen irritierend realen Geschichten, komisch und böse zugleich, geht er einer der drängendsten Fragen nach: Was macht das Leben lebenswert?" - Soweit der Verlag. Hört sich gut an. Nach der Lektüre habe ich allerdings den Eindruck, ein anderes Buch gelesen zu haben. In meinem Band sind die handelnden Personen jugendliche Selbstmörder, Mörder, Schmarotzer, Spanner, unheilbar Kranke - Verlierer, die bereits resigniert haben oder versuchen, mit einer Lebenslüge zu überleben. Vielleicht suchen sie ja tatsächlich nach Glück, aber dann haben sie und der Autor ihre Suche so gut getarnt, dass der Leser es nicht bemerkt. Es gibt auch keinen durchgehenden Erzählstrang. Mehrere kurze Handlungsstränge laufen nebeneinander, irgendwann erkennt man durch die Übereinstimmung der Personen, dass sie doch etwas miteinander zu tun haben.

Und Erzählung ist nicht der treffende Begriff. Der Autor erzählt gar nicht. Er lässt die Figuren reden in Dialogen und gelegentlichen Monologen, eben wie im Theater; ein Bühnenstück ist es aber auch nicht. Dafür fehlt die Handlung und die Entwicklung der Personen. Es sind Momentaufnahmen, Handlungsschnipsel, Blitzlichter, Patchwork; auch die Sprache wirkt zum Teil wie aneinandergereihte Gedankensplitter, heimlich mit dem Mikro im Kopf aufgenommen.

Mir bleibt verborgen, zu welchem "schönen Ort" die literarische Reise gehen soll. So sehr ich Tankred Dorst als Bühnenautor und zahlreiche seiner Stücke schätze, ein Erzähler ist er nicht. Das Buch kommt mir vor wie der gedruckte Zettelkasten des Autors. Da längere Zeit kein neues Buch von ihm mehr erschienen ist, war es für den Verlag mal wieder an der Zeit, ein Lebenszeichen von Tankred Dorst zu senden. So entsteht aber keine Literatur, die das Halbjahr ihres Erscheinens überleben wird.

(© 2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)

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