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Inhalt:
Ein kleines Mädchen, Lilly, bricht nach Spanien
auf, um ihren Vater zu suchen, der, so meint sie, dort
König ist. In ihrem kindlichen Wahn begeht sie
ein Verbrechen. Robins schöner Ort liegt anderswo,
er springt mit seiner Freundin vom Hochhaus, während
Bissmeier, bisher ein erfolgreicher Jurist, sich von
allen Bindungen lossagt und ein Attentat plant, als
Warnung vor der kommenden Finsternis der Welt. Und Lisa,
die immer nur die Romane anderer vom Tonband ins Reine
schreibt, schlüpft in ein fremdes Leben und öffnet
damit dem Verhängnis die Tür.
Glücksucher sind hier am Werk, von Sehnsucht Getriebene, die einander in Episoden begegnen, sich beharrlich in ihren Welten verirren, in Szenen leben, die sie selbst arrangieren, mit den immergleichen Mitteln und Ideen Leidenschaft, Geld, Ausbruch, Diebstahl, Mord. Und immer leuchtet am Horizont der phantastische Traum vom schönen Ort, dem unerreichbaren Fixpunkt allen Verlangens.
In seinen irritierend realen Geschichten, komisch und böse zugleich, geht Tankred Dorst, gemeinsam mit Ursula Ehler, einer der drängendsten Fragen nach: Was macht das Leben lebenswert? Entstanden ist ein erstaunliches Buch, ein Reigen, erzählt von einem, dem sonst die Bühne gehört.
(©
2004 Suhrkamp Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Ohne Zweifel zählt der Büchner-Preisträger Tankred Dorst
zu den kreativsten und produktivsten Autoren unseres
Landes. Seit den 60-er Jahren hat er die deutschen Theater
mit Dutzenden Stücken bereichert, in den 70-er Jahren
in enger Zusammenarbeit mit Peter Zadek. Seine literarischen
Arbeiten sind Stücke, Libretti, Hörspiele, Drehbücher,
alles dialogische Werke. Mit Der schöne Ort
legt er nun eine Erzählung vor. Da kann man gespannt
sein.
"Glücksucher sind hier am Werk, von Sehnsucht Getriebene.
(...) In seinen irritierend realen Geschichten, komisch
und böse zugleich, geht er einer der drängendsten Fragen
nach: Was macht das Leben lebenswert?" - Soweit
der Verlag. Hört sich gut an. Nach der Lektüre habe
ich allerdings den Eindruck, ein anderes Buch gelesen
zu haben. In meinem Band sind die handelnden Personen
jugendliche Selbstmörder, Mörder, Schmarotzer, Spanner,
unheilbar Kranke - Verlierer, die bereits resigniert
haben oder versuchen, mit einer Lebenslüge zu überleben.
Vielleicht suchen sie ja tatsächlich nach Glück, aber
dann haben sie und der Autor ihre Suche so gut getarnt,
dass der Leser es nicht bemerkt. Es gibt auch keinen
durchgehenden Erzählstrang. Mehrere kurze Handlungsstränge
laufen nebeneinander, irgendwann erkennt man durch die
Übereinstimmung der Personen, dass sie doch etwas miteinander
zu tun haben.
Und Erzählung ist nicht der treffende Begriff. Der Autor
erzählt gar nicht. Er lässt die Figuren reden in Dialogen
und gelegentlichen Monologen, eben wie im Theater; ein
Bühnenstück ist es aber auch nicht. Dafür fehlt die
Handlung und die Entwicklung der Personen. Es sind Momentaufnahmen,
Handlungsschnipsel, Blitzlichter, Patchwork; auch die
Sprache wirkt zum Teil wie aneinandergereihte Gedankensplitter,
heimlich mit dem Mikro im Kopf aufgenommen.
Mir bleibt verborgen, zu welchem "schönen Ort" die literarische
Reise gehen soll. So
sehr ich Tankred Dorst als Bühnenautor und zahlreiche
seiner Stücke schätze, ein Erzähler ist er nicht. Das
Buch kommt mir vor wie der gedruckte Zettelkasten des
Autors. Da längere Zeit kein neues Buch von ihm mehr
erschienen ist, war es für den Verlag mal wieder an
der Zeit, ein Lebenszeichen von Tankred Dorst zu senden.
So entsteht aber keine Literatur, die das Halbjahr ihres
Erscheinens überleben wird.
(©
2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)
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