Start Auf zur Büchergalerie Top 10 Specials Gewinnen Newsletter Suche
Autoren Ausgezeichnet Buch + Medien Events Marktplatz Forum Kontakt Über uns
Belletristik
Sonstiges Biografie Science Fiction/Fantasy Krimi/Thriller Historischer Roman Roman/Erzählung
Und jetzt als Taschenbuch
Das Buch zum Film/Fernsehen
Audiobook
Kinder und Jugend
Sachbuch/Ratgeber
Sachbuch/Ratgeber
Sachbuch/Ratgeber
Sachbuch/Ratgeber
Sachbuch/Ratgeber
Sachbuch/Ratgeber
E-Books
Software/Spiele

   
 
Jetzt bestellen





 

Roman/Erzählung

Die Mandelpflückerin

Autorin: Simonetta Agnello Hornby
Aus dem Italienischen von Monika Lustig

Roman
gebunden mit Schutzumschlag, 313 Seiten
erschienen: Oktober 2003
Piper
ISBN: 3-492-04530-8
Preis: 19,90 Euro

Hier bestellen:

amazon

 


Verlagstext:
Bittersüßer Mandelduft und rauhe Landschaft, verfallende Palazzi und elegante Herren mit schwarzen Sonnenbrillen: das ist das Sizilien der Mennulara, einer armen Dienstmagd, die trotz Klugheit und Herzensbildung am starren Gesellschaftssystem zerbricht.

Überall im Städtchen Roccacolomba, in den engen Gassen und steilen Treppen, in den Portierslogen und Cafés, hinter Wäscheleinen und von der Sonne glühenden Mauern hörte man es tuscheln, fluchen, seufzen. Heute, an diesem strahlenden 23. September 1963, ist die Mennulara gestorben, die Dienstmagd der Alfallipes, und sie hinterläßt bei den Dorfbewohnern Argwohn, Mißgunst – und das Rätsel ihres tragischen Lebens. War es am Ende doch eine große, geheime Liebe, die sie mit ihrem Herrn, Don Orazio, verband und sie auf eine eigene Familie verzichten ließ? In Italien als Literaturereignis gefeiert und verglichen mit Camilleri, Verga und Tomasi di Lampedusa, schildert Simonetta Agnello Hornby das Schicksal einer klugen und stolzen Sizilianerin, der es zwar gelingt, die bittere Armut ihrer Kindheit zu überwinden, nicht aber den unverändert bestehenden Unterschied zwischen Herrschaft und Gesinde.

(© 2003 Piper Verlag)


Fazit:

Starke Frauen aus Italien

Der Schein trügt: Die zarte junge Frau auf dem Titelbild des Erstlings von Simonetta Agnello Hornby ist eine starke Persönlichkeit. Sie heißt Maria Rosalia Interillo, genannt "La Mennulara" ("die Mandelpflückerin"). Ihren Namen verdankt sie ihrer außergewöhnlichen Fähigkeit, bei der Mandelernte keine einzige Frucht zu übersehen und den Ertrag genau abschätzen zu können. Seit ihrem zehnten Lebensjahr steht sie im Dienst der Familie Alfallipe, deren Geschicke sie im Laufe ihres Lebens mehr und mehr in die Hand genommen hat. Wie groß ihr Einfluss tatsächlich ist, enthüllt das Geschehen nach ihrem Tod.

Der bereits seit langer Zeit verstorbene Patriarch des Hauses Alfallipe, Orazio Alfallipe, war zwar berühmt für seine Fähigkeiten als Frauenheld, verstand es aber nicht, sein Vermögen zu verwalten. Auch seine Witwe Adriana und die Kinder Gianni, Lilla und Carmela zeigen für die Bewirtschaftung der Familiengüter keinerlei Talent. Einzig "La Mennulara" verfügte über die Kenntnisse und den nötigen Weitblick und hielt die Zügel des Familienunternehmens fest in der Hand. Dies führte zu einer Art Hassliebe zwischen den Alfallipes und ihrer Dienstbotin: Einerseits profitieren sie von ihren Fähigkeiten, andererseits begaben sie sich in ein Abhängigkeitsverhältnis zu ihr.

Die Mennulara hat sich im Laufe ihres Lebens ein kleines Vermögen erwirtschaftet, welches es ihr erlaubte, sich ein bescheidenes Haus zu kaufen und ihre Nichten und Neffen zu unterstützen. In diesem Haus hat sie nach Orazios Tod auch Adriana aufgenommen und die Geschäfte der Familie weitergeführt. Über die Herkunft ihres Geldes hat sie immer Stillschweigen bewahrt.
Die Alfallipes machen sich sofort nach dem Tod ihrer Angestellten auf die Suche nach dem Testament, denn nach den Versprechungen der Verstorbenen sollen sie ihre Erben sein. Auch die Zahlungen, die jeden Monat für die Mennulara bei der Post eingehen, wollen sie entgegennehmen. Dabei zeigt sich jedoch, dass ihr Tod auch die Position der Alfallipes in Roccacolomba verändert hat. Alte Vorurteile und Feindschaften brechen wieder auf und auch innerhalb der Familie kommt es wegen der Erbschaft und den Bestimmungen, die die Mennulara zu ihrem Begräbnis festgelegt hat, zum Streit. Sie polarisiert auch nach ihrem Tod.

Ihre Person ist auch in Roccacolomba nicht unumstritten. Aus wechselnden Perspektiven wird der Blick der Einwohner auf die Verstorbene erzählt. Auch hier hatte sie ihre Fäden gesponnen und großen Einfluss auf eine Reihe von Bewohnern ausgeübt. Ihr Tod löst eine Kettenreaktion aus. Nach der Beerdigung beginnen wilde Spekulationen, die Runde zu machen: Sie sei ein Mitglied der Mafia gewesen, von der sie regelmäßig Geld erhalten hätte, die Geliebte Orazios, ihr Vermögen sei im Ausland, die Alfallipes habe sie ausgenommen, ...

Wie in einem Krimi enthüllt sich nach und nach die Wahrheit. Eine Verbindung zur Mafia existiert tatsächlich, der Sohn des regionalen Paten hatte sie als Kind vergewaltigt, weshalb sie Schweigegeld bezog. Außerdem war sie die große Liebe von Orazio Alfallipe, eine Liebe, die auch erwidert wurde. Für ihn hat sie die Geschicke der Familie in die Hand genommen, sich Lesen und Schreiben beibringen lassen, mit ihm die Leidenschaft für die Archäologie geteilt. Und dort liegt auch ihr sorgsam verborgenes Erbe: Um der Erbschaftssteuer zu entgehen und die Quelle ihres Vermögens zu verschleiern, hat sie ihr Geld in antiken Amphoren und Vasen angelegt (neben einem Nummernkonto in der Schweiz). Durch ihre Ungeduld und die aufbrechende Wut gegen ihre Dienstbotin allerdings, haben die Alfallipes diese Güter bereits zerstört und den sorgsam ausgetüftelten Plan der Mennulara zunichte gemacht. Am Ende des Romans stehen sie vor einem finanziellen und emotionalen Scherbenhaufen, während sich die Mennulara als integre und vorausschauende Persönlichkeit herausgestellt.

Die Mandelflückerin ist ein dichter und mitreißender Roman. Wie ein Puzzle setzt sich die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu einem Ganzen zusammen und erzählt von einer großen Liebesgeschichte, Kleinstadtintrigen, Standesdünkeln, Ehedramen, dunklen Familiengeheimnissen und liefert zugleich ein Panorama des Lebens in Sizilien in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Dabei findet die Autorin stimmungsvolle Bilder, um die besondere Beziehung von Orazio und der Mennulara zu schildern, auch wenn sie teilweise leicht ins Klischee abrutscht. Es gelingt ihr aber auch, die Strukturen einer Kleinstadt auf höchst unterhaltsame Weise darzustellen.

Die Mandelpflückerin ist ein hervorragender und gut verkäuflicher "Schmöker" aus dem Genre "Unterhaltung"; besonders geeignet für Frauen, die gerne Familiengeschichten aus anderen Ländern lesen, gewürzt mit der richtigen Prise Romantik und der Spannung, die durch die unterschiedlichen Sichtweisen der Personen entsteht.

Hinweis: Diese Rezension beruht auf der italienischen Originalausgabe.

(© 2004 Ingrid Ickler für all-around-new-books.de)

******************************************************************************
Sie haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben? Dann bitte hier entlang ...


Copyright ©  all-around-new-books.de 
Alle Rechte vorbehalten. Impressum - E-Mail - Haftungsausschluss
Design und Realisierung: onlineAgentur.de GmbH
 

 



Alle vorgestellten
Bücher in der Galerie:
sortiert nach Autor
sortiert nach Titel


Rund um´s Buch

S e r v i c e

Weitere Lesetipps 

Zeitströme
von von Elvira Schütze

Ein letzter Schatten von Zweifel
von Kjell Ola Dahl

Die Feuerzangenbowle
von Götz Alsmann