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Klappentext:
Es war in den letzten Stunden des Zweiten Weltkriegs,
als nicht wenige Bonzen des Regimes und SS-Offiziere
über den Brenner flohen und in schlecht beheizten
Gaststuben bei einem Schoppen Rotwein ihre Weiterfahrt
planten. Von dieser "Stunde Null" bis ins
Südamerika der 80er, wo sich Typen solcher und
ganz anderer Herkunft ein Stelldichein geben, spannt
Walter Klier den Bogen seines Romans Hotel Bayer.
Neben Altnazis und ihren jüdischen Jägern,
hat der Zufall Revolutio-näre verschiedener Ideologien
und heruntergekommene Advokaten, blauäugige amerikanische
Touristinnen oder dubiose Abgesandte des Vatikans in
einer kleinen, von Hitze fast gelähmten Stadt in
Bolivien zusammengewürfelt. Rätsel lösen
sich oder tun sich aufs neue auf, und nicht alle handelnden
Personen ahnen, in welcher Gefahr sie schweben ...
Klier knüpft und löst seine Handlungsfäden
auf verschiedenen Zeitebenen und entwickelt einerseits
kaleidoskopartig das satirische Porträt einer "typischen"
südamerikanischen Stadt. Andererseits vermögen
seine Figuren und ihre jeweilige Geschichte, ihre Gedan-ken,
Erinnerungen und die Gespräche untereinander ein
faszinie-rendes Bild von Politik und Ideologiegeschichte
Europas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
zu skizzieren.
(©
2003 Haymon Verlag)
Fazit:
Der
Roman von Walter Klier beginnt gleich mit mehreren Hand-lungssträngen,
die sich nicht immer offensichtlich aufeinander zu bewegen.
In Bolivien kreuzen sich dann die Wege unterschied-lichster
Menschen, die Fäden des literarisch gesponnenen
Netzes finden zueinander. Die Idee ist genial. Ehemalige
Nazis, Altrevolutio-näre, Beamte, unseriöse
Geschäftemacher, Urlauber und andere treffen sich
im Hotel Bayer.
Walter
Klier legt seine Figuren mit viel Liebe an. Die lakonischen,
manchmal fast spöttischen Elemente bei der Darstellung
der Personen sind eine große Stärke des Buches.
Der
Roman ist stilistisch sauber komponiert. Spannende und
retardierende Momente lösen sich gekonnt ab. Walter
Klier bevorzugt eine klare präzise Prosa, die aber
zu oft - von großer Sachlichkeit geprägt
- die narrativen Elemente schwächt. Der erzählerische
Motor kommt nicht richtig in Gang. Immer wieder ergreift
den Leser der Sog dieser Geschichte, aber er vermag
es nicht, ihn zu halten. Dazu fehlt die literarische
Sprengkraft.
Am Ende muss man feststellen, dass das Buch mit Abstrichen
lesenswert ist und, dass daraus mehr zu machen gewesen
wäre.
(©
2003 Ulf Großmann für all-around-new-books.de)
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