| Klappentext:
Wir befinden uns im Jahre 1980 in der Neuen Vahr Süd,
einem ganz und gar nicht pittoresken Neubauviertel im
Osten von Bremen. Für Frank Lehmann, der gerade
seine Lehre beendet hat, noch immer bei seinen Eltern
wohnt und irgendwie vergessen hat, den Wehrdienst zu
verweigern, wird es ein hartes halbes Jahr. Zwar gelingt
ihm nach einem Streit der Auszug aus dem Elternhaus
in eine chaotische Wohngemeinschaft, aber ein neues
Zuhause hat er damit noch lange nicht gefunden, und
die Neue Vahr Süd holt ihn immer wieder ein.
Und während Frank - noch immer rätselnd, wie
es so weit kommen konnte - in der Kaserne strammstehen,
Hemden auf Din A4 falten und durchs Gelände robben
muss, streiten seine Freunde für ihre Version der
proletarischen Weltrevolution, gegen Militär und
Aufrüstung und um die energische Sibille, ohne
diese allerdings vorher nach ihrer Meinung gefragt zu
haben.
Hin- und hergerissen zwischen Auflehnung und Resignation
kämpft Frank Lehmann hart am Abgrund und mit allen
erlaubten und unerlaubten Mitteln für eine eigene,
würdige Existenz zwischen zwei widersprüchlichen
Welten.
Der
Autor:
Sven
Regener wurde am 1. Januar 1961 in Bremen geboren. Nach
Schulbesuch, Bundeswehr- und Zivildienst kam er über
Hamburg nach Berlin. Dort machte er in vielen Übungsräumen
als Trompeter mit vielen verschiedenen Leuten Lärm.
1982 nahm er seine erste LP mit der Band "Zatopek"
auf. 1984 kam er zur Band "Neue Liebe", einer
Art Punk-Funkband mit Kunstanspruch und vielen Bläsern.
Nach deren Auflösung gründete er 1985 mit
anderen die Band "Element of Crime", die mit
deutschsprachigen Alben wie Damals hinterm Mond
und Weißes Papier eine große Popularität
erlangte. Sven Regener ist Sänger, Texter und Trompeter
der Gruppe. Er gilt als "einer der feinsten Pop-Poeten
des deutschen Sprachraums." (zitty)
Im
August 2001 veröffentlichte Sven Regener seinen
Debütroman Herr Lehmann bei Eichborn Berlin.
Im September 2004 ist der Roman Neue Vahr Süd
erschienen, in dem Sven Regener von der Jugend des Herrn
Lehmann erzählt.
Für
das beste verfilmte Drehbuch Herr Lehmann wurde
Sven Regener 2004 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.
(©
2004 Eichborn Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Sven Regeners zweiter Roman Neue Vahr Süd spielt
in der Zeit, bevor Herr Lehmann aus seiner Heimatstadt
Bremen nach Berlin umzieht. Die Handlung dreht sich
um seine Familie, Freunde, die u. a. noch ein bisschen
in den sich auflösenden K-Gruppen mitmischen, Frauen
und seine Zeit bei der Bundeswehr.
Aber dem Vergleich zu Herr Lehmann hält Neue
Vahr Süd nicht stand. Dies liegt aber nicht an
Themen und Ort, sondern an einem zügellosen Sven Regener,
der sich in epischer Breite über die geringfügigste
Kleinigkeit ausmehrt:
„Das ist alles ziemlich trostlos, dachte er, als
er das Litfasz wieder verließ, befand sich aber
zugleich in einer Art Hochstimmung, er war geradezu
euphorisiert, ihm war leicht zumute, und aller Groll
war verflogen, und er wunderte sich, woran das lag,
er dachte darüber den ganzen Weg bis zum Bremer Eck
nach, denn müde war er noch nicht, und das Bremer Eck
schien ihm jetzt eine gute Wahl zu sein, Zeit für ein
Bier, eine Zigarette und ein Fladenbrot mit was Scharfem
drin, dachte er, Schluss mit Gyros, lieber so ein türkisches
Fladenbrot, heute ist türkischer Abend, dachte er, erst
'Der Türke', was allemal ein besserer Name ist als 'Zum
Steinernen Kreuz', das ist wirklich ein grottiger Name
für eine Kneipe, auch wenn er sich durch die gleichnamige
Straße erklärt, dachte er, dann ein türkisches
Fladenbrot im Bremer Eck, dachte er und bog vom Siedwall
links ein in das Gewirr der kleinen Straßen, in
dem die Bremer Straße und das Bremer Eck lagen,
und das ist ja überhaupt das Absurdeste, dass sie die
wohl kleinste Straße, die es in Bremen gibt, Bremer
Straße genannt haben, dachte er, vor allem aber
ist es nicht nur die kleinste Straße, sonder auch
die am schwersten zu findende, dachte er kurze Zeit
später, als er schon einige Zeit im Gewirr der kleinen
Straßen herumgeirrt war, ohne die Bremer Straße
und/oder das Bremer Eck gefunden zu haben.“
Positiv ist, dass Sven Regener diesen Stil konsequent
durchzieht. Wenn man es mag, blättern sich die Seiten
von alleine um. Einiges ist unterhaltsam oder auch absurd,
aber das meiste reicht nicht über Bundeswehr-Klischees
sowie K-Gruppen und WG-Witzchen heraus.
Bleibt zu hoffen, dass Sven Regener für den geplanten
letzten Teil der Trilogie einen schärferen Lektor zur
Seite gestellt bekommt und wieder zu seinem subtilen
Humor zurückfindet.
Als Fazit zu Neue Vahr Süd ein Zitat von Sven
Regener im übertragenen Sinne: „... das Barett machte
die Sache nicht besser, er hat auch die optische Symmetrie
verloren, dachte Frank, das Schiffchen hat er immer
genau in der Mitte und weit in der Stirn getragen, dachte
er, das konnte er gut, mit dem Barett geht das nicht,
dachte Frank.“
(©
2005 Philip Schreiterer für all-around-new-books.de)
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