Rückentext:
Warum hört John Updike gerne Radio? Was hat er
zu sagen, wenn er seinem eigenen Romanhelden Bech Rede
und Antwort stehen muss? In seinen Kommentaren zum eigenen
Werk erweist sich der Pulitzerpreisträger selbst
die Ehre. Aber Updike wäre nicht Updike, würde
nicht auch der Rest der schreibenden Zunft seiner scharfsinnigen,
doch immer auch charmanten Aufmerksamkeit teilhaftig.
Zum
Autor:
Geboren
am 18.03.1932 in der Kleinstadt Shillington, Pennsylvania,
als einziges Kind des Sekundarschullehrers und Diakon
Wesley Russel Updike und dessen Frau Linda Grace Hoyer.
Kindheit in materieller Bedrücktheit. Schulbesuch
weiterhin in Shillington. 1950 Stipendium zum Studium
am Harvard College, Hauptfach Anglistik; Abschluss des
Untergraduiertenstudiums 1954 mit summa cum laude. Er
heiratete 1953 die Kunststudentin Mary Entwistle Pennington,
mit der er nach Abschluss des Studiums ein Jahr an die
Ruskin School of Drawing and Fine Art in Oxford, England,
ging.
(©
2002 Rowohlt Taschenbuch Verlag)
Buchbesprechung - Rezension:
Er ist wohl einer der bekanntesten und bedeutendsten
amerikanischen Autoren der Gegenwart, der seit Jahrzehnten
die weiße Mittelschicht Amerikas beschreibt. Seine
bekannteste Figur ist sicher Harry Angstrom aus den
Rabbit-Romanen. In dem vorliegenden Band von Updike,
es ist nicht der erste mit Essays, lernt man den Autoren
auch als großartigen Essayisten kennen. Es ist,
da es sich zum großen Teil um Texte eines Schriftstellers
über Literatur handelt, ein sehr persönliches
Buch geworden.
Ich
behaupte, dass er hier seinen Lesern einen Überblick
über die Welt seiner "Literatur" gibt.
Das Buch gliedert sich in zwei große Teile. Im
ersten Teil stellt Updike Autoren und deren Werke vor
und gibt auch Einblicke in das manchmal glückliche,
aber meist weniger glückliche Leben von Schriftstellern.
Wie er dem Leser Melville, Cheever und andere nahe bringt,
ist lesenwert. Später berichtet Updike, der seit
Ende der 50-er Jahre selbst als freier Schriftsteller
arbeitet, über seine zeitgenössischen nordamerikanischen
Kollegen, wie Philipp Roth und Tom Wolfe. Dabei analysiert
er einige Werke messerscharf. Er spart sicher nicht
mit Lob, aber er zeigt aus seiner Sicht auch Schwachstellen
der Texte seiner Kollegen auf. Und er hat auch einige
vorzügliche Kommentare zu Autoren aus Europa und
den anderen Kontinenten zu bieten.
Der
zweite Teil des Buches, mit "Persönlich"
tituliert, enthält wirklich viel persönliches.
Und so ist er wahrscheinlich nur für Updike-Fans
zur kompletten Lektüre zu empfehlen. Z. B.,
wenn Updike von seinem Artikel Cartoon-Zeichnungen berichtet
(erschienen in "Hogan´s Alley") und
der folgende Artikel zum gleichen Thema, nur ausführlicher
(erschien im "New Yorker"), vieles wiederkäut,
dann wird mancher genervt weiterblättern oder das
Buch weglegen. Aber, dann könnten einem viele gut
Texte entgehen. Z. B., wenn Updikes alter Ego Harry
Bech Updike interviewt.
Vielleicht
wäre es besser gewesen aus den fast 600 Seiten
zwei Bücher zu machen.
Gerade der erste Teil macht neugierig auf Schriftsteller
und deren Werke, die einem Leser hier zum ersten Mal
begegnen. Für Leute, die sich für Literatur
interessieren und keine Updike-Fans sind, ist Teil 1
auf alle Fälle lesenswert. Und auch das Ende von
Teil 2, wo Updike Bücher, die sein Leben verändert
haben, fünf Momente vollkommenen Leseglücks
oder seine zehn größten Werke der Weltliteratur
vorstellt. Die überwiegenden Texte im zweiten Teil
sind aber auch mit Erlebnissen in der Familie so persönlich,
dass viele, die den ersten Teil begeistert lesen, den
zweiten schnell wieder zuschlagen werden.
(©
2005 Ulf Großmann für all-around-new-books.de)
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