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Roman/Erzählung

Wie war's wirklich
Erzählungen

Autor: John Updike
Deutsch von Maria Carlsson

gebunden mit Schutzumschlag, 256 Seiten
erschienen: Januar 2004
Rowohlt
ISBN: 3-498-06880-6
Preis: 19,90 Euro

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Klappentext:
John Updike, der grand old man der amerikanischen Literatur und ein Meister der short story, legt zwölf neue Erzählungen vor.
Manche von ihnen schlagen einen nostalgischen Ton an, sind Erinnerungen an das sexuelle Paradies der Sechziger, als man sich getrost nachts um eins mit einer Frau verabreden konnte, weil man sicher war, dass die eigene bei deren Mann schlief. Einen anderen Aspekt der Vergangenheit ruft "Banjospielen im Kalten Krieg" auf, worin eine Hilfskraft des State Department unwissend eine Ehe zerstört, als ein Musiker in der Sowjetunion auf Tournee geht. Einige umkreisen für Updike von jeher charakteristische Themen: die Farm, Mutter und Vater, die vierzig Katzen.
Ein wahres Kabinettstück ist "Metamorphose": Anderson hat Hautkrebs am Auge und wird von Dr. Kim, Korean-American, schön, schwanger, operiert. Das gefällt ihm so, dass er immer wieder kommt, bis er schließlich ein asiatisches Gesicht hat. Mit blauen Augen.

Zum Autor:
Geboren am 18.03.1932 in der Kleinstadt Shillington, Pennsylvania, als einziges Kind des Sekundarschullehrers und Diakon Wesley Russel Updike und dessen Frau Linda Grace Hoyer. Kindheit in materieller Bedrücktheit. Schulbesuch weiterhin in Shillington. 1950 Stipendium zum Studium am Harvard College, Hauptfach Anglistik; Abschluss des Untergraduiertenstudiums 1954 mit summa cum laude. Er heiratete 1953 die Kunststudentin Mary Entwistle Pennington, mit der er nach Abschluss des Studiums ein Jahr an die Ruskin School of Drawing and Fine Art in Oxford, England, ging.

(© 2004 Rowohlt Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:

In Wie war's wirklich zeigt einer der Altmeister des amerikanischen Literaturbetriebes und schon seit langem Literaturnobelpreisanwärter einmal mehr sein prosaisches Können. Die Thematik ist wie in vorhergegangenen literarischen Texten von Updike das Leben der amerikanischen Mittelklasse: Familie, Verlust, Vergänglichkeit und natürlich Erotik.

Am Ende des Bandes ist ein Prosastück der Extraklasse zu finden. In "Metamorphose", lässt sich die Hauptfigur, von der Schönheit einer asiatischen Ärztin beeindruckt, immer wieder operieren. Als er am Ende in den Spiegel schaut, sieht er (s)ein Gesicht: "das asiatisch war in seinem unbewegten Ausdruck, einige Striemen beeinträchtigen einstweilen noch die glatte, empfindungslose Oberfläche, die verwaschenen blauen Augen hatten die falsche Farbe ...". Da gibt es soviel Subtext, so viele Ebenen zu entdecken - und jedes Wort sitzt. Die Skurrilität der Hauptfigur wird so glaubwürdig vermittelt, dass man aus seiner Perspektive die Ärztin mitbeobachten kann. Diese Erzählung könnte als Lehrstück für angehende Schriftsteller dienen. Ebenso wie "Die Katzen".
In dieser Erzählung voller Nostalgie beschreibt Updike, wie David nach dem Tod der Mutter, mit dem Erbe, dem Haus seiner Kindheit und jeder Menge Katzen, die die Mutter immer gefüttert hat, umgeht. Beeindruckend melancholisch und prosaisch satt ist diese Geschichte. Da stimmt alles. Der erste Satz, der zum Weiterlesen reizt: "Als meine Mutter starb, erbte ich zweiunddreißig Hektar pennsylvanischen Boden und vierzig Katzen."
Der pointierte Schluss: "Diese Katzen hatten überlebt. Sie hielten mich für meine Mutter und dachten, die guten Zeiten seien wieder da."
Und zwischendrin erzählt Updike von Erinnerung, Vergänglichkeit, dem Verlust einer eigenen kleinen amerikanischen Welt.

Verzeihen muss man wohl die Geschichte "Olivers Entwicklung", die den Stoff eines Romans - zusammengefasst auf drei Seiten - wiedergibt. Einem angehenden Autoren hätte der Verlag so etwas wahrscheinlich um die Ohren gehauen. Bei Updike ist es gestattet, auch wenn es aus dem Rahmen fällt und ein dickes Fragezeichen aufwirft.

Auf alle Fälle ist der Erzählband zu empfehlen. Es lohnt, zu lesen, wie Henry Bech, der alternde amerikanische Autor, die Entdeckung macht, dass Frauen, mit denen er geschlafen hatte, sich auf einmal bei seinen öffentlichen Lesungen blicken ließen und wie Don Fairbairn zunehmend Mühe hat, sich zu erinnern, wie es wirklich gewesen war in der breiten Mittelspanne seines Leben. "Die Katzen" und "Metamorphose" sind sowieso Pflicht. Und wer Updike hier erst kennenlernt, dem seien die Rabbit-Romane ans Herz gelegt.

(© 2004 Ulf Großmann für all-around-new-books.de)

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