Klappentext:
John Updike, der grand old man der amerikanischen
Literatur und ein Meister der short story,
legt zwölf neue Erzählungen vor.
Manche von ihnen schlagen einen nostalgischen Ton an,
sind Erinnerungen an das sexuelle Paradies der Sechziger,
als man sich getrost nachts um eins mit einer Frau verabreden
konnte, weil man sicher war, dass die eigene bei deren
Mann schlief. Einen anderen Aspekt der Vergangenheit
ruft "Banjospielen im Kalten Krieg" auf, worin
eine Hilfskraft des State Department unwissend eine
Ehe zerstört, als ein Musiker in der Sowjetunion
auf Tournee geht. Einige umkreisen für Updike von
jeher charakteristische Themen: die Farm, Mutter und
Vater, die vierzig Katzen.
Ein wahres Kabinettstück ist "Metamorphose":
Anderson hat Hautkrebs am Auge und wird von Dr. Kim,
Korean-American, schön, schwanger, operiert. Das
gefällt ihm so, dass er immer wieder kommt, bis
er schließlich ein asiatisches Gesicht hat. Mit
blauen Augen.
Zum
Autor:
Geboren
am 18.03.1932 in der Kleinstadt Shillington, Pennsylvania,
als einziges Kind des Sekundarschullehrers und Diakon
Wesley Russel Updike und dessen Frau Linda Grace Hoyer.
Kindheit in materieller Bedrücktheit. Schulbesuch
weiterhin in Shillington. 1950 Stipendium zum Studium
am Harvard College, Hauptfach Anglistik; Abschluss des
Untergraduiertenstudiums 1954 mit summa cum laude. Er
heiratete 1953 die Kunststudentin Mary Entwistle Pennington,
mit der er nach Abschluss des Studiums ein Jahr an die
Ruskin School of Drawing and Fine Art in Oxford, England,
ging.
(©
2004 Rowohlt Verlag)
Buchbesprechung - Rezension:
In Wie war's wirklich zeigt einer der Altmeister
des amerikanischen Literaturbetriebes und schon seit
langem Literaturnobelpreisanwärter einmal mehr
sein prosaisches Können. Die Thematik ist wie in
vorhergegangenen literarischen Texten von Updike das
Leben der amerikanischen Mittelklasse: Familie, Verlust,
Vergänglichkeit und natürlich Erotik.
Am
Ende des Bandes ist ein Prosastück der Extraklasse
zu finden. In "Metamorphose", lässt sich
die Hauptfigur, von der Schönheit einer asiatischen
Ärztin beeindruckt, immer wieder operieren. Als
er am Ende in den Spiegel schaut, sieht er (s)ein Gesicht:
"das asiatisch war in seinem unbewegten Ausdruck,
einige Striemen beeinträchtigen einstweilen noch
die glatte, empfindungslose Oberfläche, die verwaschenen
blauen Augen hatten die falsche Farbe ...".
Da gibt es soviel Subtext, so viele Ebenen zu entdecken
- und jedes Wort sitzt. Die Skurrilität der Hauptfigur
wird so glaubwürdig vermittelt, dass man aus seiner
Perspektive die Ärztin mitbeobachten kann. Diese
Erzählung könnte als Lehrstück für
angehende Schriftsteller dienen. Ebenso wie "Die
Katzen".
In dieser Erzählung voller Nostalgie beschreibt
Updike, wie David nach dem Tod der Mutter, mit dem Erbe,
dem Haus seiner Kindheit und jeder Menge Katzen, die
die Mutter immer gefüttert hat, umgeht. Beeindruckend
melancholisch und prosaisch satt ist diese Geschichte.
Da stimmt alles. Der erste Satz, der zum Weiterlesen
reizt: "Als meine Mutter starb, erbte ich zweiunddreißig
Hektar pennsylvanischen Boden und vierzig Katzen."
Der pointierte Schluss: "Diese Katzen hatten
überlebt. Sie hielten mich für meine Mutter
und dachten, die guten Zeiten seien wieder da."
Und zwischendrin erzählt Updike von Erinnerung,
Vergänglichkeit, dem Verlust einer eigenen kleinen
amerikanischen Welt.
Verzeihen muss man wohl die Geschichte "Olivers
Entwicklung", die den Stoff eines Romans - zusammengefasst
auf drei Seiten - wiedergibt. Einem angehenden Autoren
hätte der Verlag so etwas wahrscheinlich um die
Ohren gehauen. Bei Updike ist es gestattet, auch wenn
es aus dem Rahmen fällt und ein dickes Fragezeichen
aufwirft.
Auf alle Fälle ist der Erzählband zu empfehlen.
Es lohnt, zu lesen, wie Henry Bech, der alternde amerikanische
Autor, die Entdeckung macht, dass Frauen, mit denen
er geschlafen hatte, sich auf einmal bei seinen öffentlichen
Lesungen blicken ließen und wie Don Fairbairn
zunehmend Mühe hat, sich zu erinnern, wie es wirklich
gewesen war in der breiten Mittelspanne seines Leben.
"Die Katzen" und "Metamorphose"
sind sowieso Pflicht. Und wer Updike hier erst kennenlernt,
dem seien die Rabbit-Romane ans Herz gelegt.
(©
2004 Ulf Großmann für all-around-new-books.de)
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