| Rückentext:
Im Jahre 2223 droht ein durchs All rasender Mond den lebensfreundlichen
Planeten Maleiva III zu vernichten. Die letzte Gelegenheit
zur Erforschung der Welt schwindet dahin. Die Pilotin Priscilla
"Hutch" Hutchins führt ein kleines Team aus
Wissenschaftlern auf die Oberfläche, um vor der Zerstörung
möglichst viel über die Lebensformen und untergegangenen
Zivilisationen des Planeten herauszufinden. Die Katastrophe
ist perfekt, als das Team auf der rätselhaften Welt strandet.
Und jetzt müssen Hutch und ihre Leute irgendwie überleben
- während die Uhr tickt und die Apokalypse immer näher
rückt ...
(©
2004 Bastei Lübbe Verlag)
Fazit:
In der Form eines
Zukunftsromans - aber nicht wirklich als Science Fiction -
begleitet der Verfasser seine Protagonisten über einige
Tage auf einer unfreiwilligen Flucht über die Oberfläche
von Maleiva III, eines dem Untergang geweihten Planeten.
Die Handlung
Beim Katastrophentourismus wird erkennbar, dass die sterbende
Welt offensichtlich intelligentes Leben trug. Notdürftig
wird eine kleine Expedition zusammengestellt, um schnell einige
Artefakte zu bergen. Dabei ist auch ein Überlebender
einer früheren gescheiterten Expedition sowie eine raumerfahrene
Pilotin. Die archäologische Tätigkeit ergibt Hinweise
darauf, dass zwei Kulturen unterschiedlicher technischer Entwicklungsstände
auf dem Planeten waren. Die technisiertere der beiden half
offensichtlich der anderen, den Planeten zu verlassen.
Durch Unglück und menschliches Versagen verlieren die
Expeditionsteilnehmer ihre Rückkehrmöglichkeit zum
Schiff und sind gezwungen, den schwierigen Weg zu den Überresten
der früheren Expedition anzutreten, deren eine Landefähre
noch auf Maleiva III ist.
Nach mancherlei Widrigkeiten gelingt das Auffinden der Landefähre.
Aber sie kann nur geringe Höhen erreichen, und so müssen
die Schiffe im Orbit gewagte Manöver vorbereiten, um
die Teilnehmer noch vor dem Ende des Planeten zu retten. Diese
Handlung nimmt das letzte und hinreichend spannende Drittel
des Roman ein.
Es fällt bei der Lektüre
angenehm auf, dass der Schreibstil flüssig und eingängig
ist. Auf lange, philosophierende Exkurse wird zugunsten einer
flotten Handlung verzichtet. Die Handlungsteile sind in sich
geschlossen, relativ überschaubar und bauen direkt aufeinander
auf; vielleicht wurde der Roman schon auf eine mögliche
Verfilmung hin konzipiert. Besonders willkommen ist, dass
bei Beschreibungen manueller Tätigkeiten recht detailliert
gearbeitet wird. So gewinnen diese Szenen deutlich an Plastik
und Vorstellbarkeit.
Gelegentlich findet der Leser gute Erklärungen zu technischen
Sachverhalten, wiewohl der Übersetzerin manch passender
Fachausdruck (z. B. Seilreißlänge, S. 311) gefehlt
haben mag. Wenn die Handlung auch ohne große Überraschungen
auskommt, so erfreut sie doch durch nette Begegnungen mit
einheimischer Fauna und Flora bis hin zu wahrhaft fremdartigem
Verkehr.
Etwas unbefriedigend ist allerdings
die allgemein sehr oberflächliche Charakterisierung;
nur der anfänglich stereotype Widerling entwickelt zum
Romanende hin persönliche Züge. Auch wirkt es etwas
befremdlich, dass in den zwanzig Jahren seit der Entdeckung
von Maleiva III nicht zumindest eine Rohstoffausbeutung stattfand;
bei einem Entwicklungsstand, wie er in dem Roman für
die Jahre nach 2220 unterstellt wird, und Mangel an terraformbaren
Planeten könnte wohl kaum auf Rohstoffquellen in Planetengröße
verzichtet werden.
Ein schwerer konstruktiver Mangel liegt in der weitgehenden
Vernachlässigung der Auswirkungen, die der heranrasende
gigantische Planet „Morgans Welt“ auf Gravitation,
Wetter, Tektonik und Funkverkehr haben muss. Solche Auswirkungen
werden lediglich in den letzten Minuten der Handlung glaubhaft
gemacht; vorher bleiben sie blasse Staffage.
Schließlich sind einige Details fragwürdig. So
werden die unterirdischen Etagen eines Gebäudes gezählt
(S. 133), obgleich sie nicht freigelegt sind und keine technischen
Mittel verfügbar sind. An anderer Stelle (S. 395) soll
eine unidirektionale Drehung um 360° eine Richtungsänderung
bewirken, was im Roman allerdings funktioniert.
Das recht sorgfältige Lektorat ist durch
lediglich einen Satzfehler („durchgefürt“
auf S. 679) und sinnvolle Absatzbildung belegt; nur die Mutation
der jupitergroßen „Morgans Welt“ auf der
U4 zum „Mond“ ist wohl übersehen worden.
Der Lesefreundlichkeit zugute kommt die 9°-Serifenschrift.
Die Verarbeitung ist umfangs- und preisgerecht. Nur vereinzelt
darf die Orthographiereform Purzelbäume schlagen, so
bei „Zierrat“ (S. 155).
Abschließend kann man
den Roman als gutes Lesefutter für eine ungestörte
Bahnfahrt von vielleicht Berlin nach München empfehlen.
(©
2004 Michael Titz für all-around-new-books.de)
******************************************************************************
Sie
haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben?
Dann bitte hier
entlang ...
|