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Science Fiction/Fantasy

Die Sanduhr Gottes

Autor: Jack McDevitt
Ins Deutsche übertragen von Frauke Meier

Taschenbuch, 685 Seiten
erschienen: März 2004
Bastei Lübbe
ISBN: 3-404-24321-8
Preis: 8,90 Euro

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Rückentext:
Im Jahre 2223 droht ein durchs All rasender Mond den lebensfreundlichen Planeten Maleiva III zu vernichten. Die letzte Gelegenheit zur Erforschung der Welt schwindet dahin. Die Pilotin Priscilla "Hutch" Hutchins führt ein kleines Team aus Wissenschaftlern auf die Oberfläche, um vor der Zerstörung möglichst viel über die Lebensformen und untergegangenen Zivilisationen des Planeten herauszufinden. Die Katastrophe ist perfekt, als das Team auf der rätselhaften Welt strandet. Und jetzt müssen Hutch und ihre Leute irgendwie überleben - während die Uhr tickt und die Apokalypse immer näher rückt ...

(© 2004 Bastei Lübbe Verlag)


Fazit:
In der Form eines Zukunftsromans - aber nicht wirklich als Science Fiction - begleitet der Verfasser seine Protagonisten über einige Tage auf einer unfreiwilligen Flucht über die Oberfläche von Maleiva III, eines dem Untergang geweihten Planeten.

Die Handlung
Beim Katastrophentourismus wird erkennbar, dass die sterbende Welt offensichtlich intelligentes Leben trug. Notdürftig wird eine kleine Expedition zusammengestellt, um schnell einige Artefakte zu bergen. Dabei ist auch ein Überlebender einer früheren gescheiterten Expedition sowie eine raumerfahrene Pilotin. Die archäologische Tätigkeit ergibt Hinweise darauf, dass zwei Kulturen unterschiedlicher technischer Entwicklungsstände auf dem Planeten waren. Die technisiertere der beiden half offensichtlich der anderen, den Planeten zu verlassen.
Durch Unglück und menschliches Versagen verlieren die Expeditionsteilnehmer ihre Rückkehrmöglichkeit zum Schiff und sind gezwungen, den schwierigen Weg zu den Überresten der früheren Expedition anzutreten, deren eine Landefähre noch auf Maleiva III ist.
Nach mancherlei Widrigkeiten gelingt das Auffinden der Landefähre. Aber sie kann nur geringe Höhen erreichen, und so müssen die Schiffe im Orbit gewagte Manöver vorbereiten, um die Teilnehmer noch vor dem Ende des Planeten zu retten. Diese Handlung nimmt das letzte und hinreichend spannende Drittel des Roman ein.

Es fällt bei der Lektüre angenehm auf, dass der Schreibstil flüssig und eingängig ist. Auf lange, philosophierende Exkurse wird zugunsten einer flotten Handlung verzichtet. Die Handlungsteile sind in sich geschlossen, relativ überschaubar und bauen direkt aufeinander auf; vielleicht wurde der Roman schon auf eine mögliche Verfilmung hin konzipiert. Besonders willkommen ist, dass bei Beschreibungen manueller Tätigkeiten recht detailliert gearbeitet wird. So gewinnen diese Szenen deutlich an Plastik und Vorstellbarkeit.
Gelegentlich findet der Leser gute Erklärungen zu technischen Sachverhalten, wiewohl der Übersetzerin manch passender Fachausdruck (z. B. Seilreißlänge, S. 311) gefehlt haben mag. Wenn die Handlung auch ohne große Überraschungen auskommt, so erfreut sie doch durch nette Begegnungen mit einheimischer Fauna und Flora bis hin zu wahrhaft fremdartigem Verkehr.

Etwas unbefriedigend ist allerdings die allgemein sehr oberflächliche Charakterisierung; nur der anfänglich stereotype Widerling entwickelt zum Romanende hin persönliche Züge. Auch wirkt es etwas befremdlich, dass in den zwanzig Jahren seit der Entdeckung von Maleiva III nicht zumindest eine Rohstoffausbeutung stattfand; bei einem Entwicklungsstand, wie er in dem Roman für die Jahre nach 2220 unterstellt wird, und Mangel an terraformbaren Planeten könnte wohl kaum auf Rohstoffquellen in Planetengröße verzichtet werden.
Ein schwerer konstruktiver Mangel liegt in der weitgehenden Vernachlässigung der Auswirkungen, die der heranrasende gigantische Planet „Morgans Welt“ auf Gravitation, Wetter, Tektonik und Funkverkehr haben muss. Solche Auswirkungen werden lediglich in den letzten Minuten der Handlung glaubhaft gemacht; vorher bleiben sie blasse Staffage.
Schließlich sind einige Details fragwürdig. So werden die unterirdischen Etagen eines Gebäudes gezählt (S. 133), obgleich sie nicht freigelegt sind und keine technischen Mittel verfügbar sind. An anderer Stelle (S. 395) soll eine unidirektionale Drehung um 360° eine Richtungsänderung bewirken, was im Roman allerdings funktioniert.

Das recht sorgfältige Lektorat ist durch lediglich einen Satzfehler („durchgefürt“ auf S. 679) und sinnvolle Absatzbildung belegt; nur die Mutation der jupitergroßen „Morgans Welt“ auf der U4 zum „Mond“ ist wohl übersehen worden. Der Lesefreundlichkeit zugute kommt die 9°-Serifenschrift. Die Verarbeitung ist umfangs- und preisgerecht. Nur vereinzelt darf die Orthographiereform Purzelbäume schlagen, so bei „Zierrat“ (S. 155).

Abschließend kann man den Roman als gutes Lesefutter für eine ungestörte Bahnfahrt von vielleicht Berlin nach München empfehlen.

(© 2004 Michael Titz für all-around-new-books.de)

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