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Inhalt:
Friedrich Pokorny hat das gnadenlose Talent zum Entertainer.
Sein Inneres ist durch einen Schutzwall aus Witzen gegen
alle Zumutungen des Lebens geschützt. Nahezu täglich
steht er als Entertainer auf der Bühne und verdient
bei dem Kampf gegen seine selbstgewählte Einsamkeit
auch noch gutes Geld. Ein Brief aus der Vergangenheit
reißt die schützenden Dämme ein. Thomas
Zacher, Pokornys Freund aus Schul- und Jugendjahren,
ist wieder in der Stadt und lädt zum Abendessen
ein. Pokorny wird überschwemmt von schmerzhaften
Erinnerungen, die vor allem um Ellen kreisen. Sie war
die große, die einzige Liebe von Pokorny und Zacher,
bis über den Tag hinaus, an dem die beiden sie
in den Tod trieben.
Frank
Goosen gelingt es, in dieser intimen Geschichte hinter
die glatte Fassade einer Freundschaft zu blicken, die,
schwankend zwischen Rivalität und Treue, das ganze
Leben der beiden Freunde bestimmt. Mit genauem Gespür
für ernste und erheiternde Zwischentöne zeichnet
Frank Goosen wie nebenbei das Porträt eines Mannes,
der sich vor dem Ernst des Lebens in die Spaßgesellschaft
geflüchtet haben.
(©
2003 Eichborn Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Frank
Goosen’s zweiter Roman handelt wie sein Erstling
Liegen
lernen über das Erwachsenwerden eines
Mannes.
Amüsant
schildert Goosen das Aufwachsen und die Pubertät
von den Freunden Friedrich Pokorny und Thomas Zacher.
Beide sind auf ihre Art Außenseiter. Pokorny wird
zum Klassenclown, Zacher zum Klassenbesten. Dann tauchen
die ersten Frauen auf, die bis zum Schluss des Romans
zwischen den beiden stehen werden.
Im
Studium überlässt sich Pokorny dem orientierungslosen
Treiben, Zacher verfolgt zielstrebig sein Jura-Studium.
Gesichtwahren, unangreifbar über den Dingen stehen
ist für Zacher das Entscheidende, nur nicht so
peinlich enden wie seine Mutter. Pokorny dagegen, der
einen braven, fleißigen Vater hatte, bricht das
Studium für eine Kabarettistenkarriere ab. Da beide
Protagonisten mit nur einem Elternteil aufgewachsen
sind, lockt Goosen den Leser eine Zeitlang auf die Fährte,
der Roman würde sich um zwei Eltern-Kind-Konflikte
drehen. Aber dann taucht Ellen auf.
Zacher macht
das Rennen. Zacher, der bei Frauen immer erfolgreicher
war als Pokorny. Doch Ellen nimmt sich auch Pokorny,
gerade weil beide so unterschiedlich sind. Natürlich
endet das nicht gut, aber dramatischer als erwartet.
Zacher
und Pokorny verlieren sich aus den Augen. Pokorny etabliert
sich im Berufsleben und wird Vater, aber die Beziehung
zu Silvia scheitert – irgendwie, weil Ellen noch
rumgeistert, mehr aber, weil Pokorny keine Verantwortung
übernehmen will.
Das
Leben geht aber unaufhaltsam weiter, die Zwanziger gehen
vorbei und selbst die Dreißiger nähern sich
dem Ende. Man wird zynisch – was für einen
Kabarettisten nicht die schlechteste aller Eigenschaften
sein mag. Bei Oscar Wilde wäre es jetzt lustig
zugegangen, aber Frank Goosen ist Bochumer, d. h. solider
Kohlenkumpel, anständiger Sozi, lustig, klar, Humor
muss sein, aber irgendwann muss man der Welt ins Auge
blicken, erwachsen werden. Schwups, muss eine Katharsis
her, muss Pokorny sich ändern, ein guter Vater
werden. Nur wie, na ja, irgendwie mit einer Frau, das
kommt immer gut, und eine Verbindung zu Ellen wäre
nicht schlecht, damit irgendwie alles mit allem zusammenhängt
...
Funktioniert
aber nicht richtig, wirkt an den Haaren herbeigezogen,
arg künstlich, als ob Goosen nichts Besseres einfiel.
Schade, denn diese Problematik ist interessant, plagt
eine Generation, wie die vielen Neuerscheinungen darüber
zeigen.
Insgesamt:
Schlecht ist der Roman nicht. Zumindest für Männer,
denn Frauen kommen wie bei Liegen
lernen nicht besonders gut weg. Aber ein bisschen
mehr Muße hätte gelohnt, statt schnell den
Ruhm vom Erstling auszunutzen. Bleibt die Hoffnung,
dass das Kalkül ökonomisch aufging und sich
Goosen für das nächste Buch mehr Zeit lassen
kann.
(©
2004 Philip Schreiterer für all-around-new-books.de)
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