|
Klappentext:
Mit unwiderstehlichem Witz umkreist Frank Goosen sein
Leben vor und nach der Geburt, auf und hinter der Bühne.
Beim Sex auf der Halde gezeugt, erlebt Frank Goosen
eine Kindheit in der orangenen Zeit der Siebziger und
eine Jugend in der bleiernen Zeit der Achtziger. Er
erleidet die Nöte der Pubertät und die Qualen
zahlreicher Zweierbeziehungen, bis er schließlich
ohne weitere Gegenwehr geheiratet wird (um wiederum
Glück und Glanz des Vaterseins zu empfinden). Keine
Lebensphase des praktizierenden Komikers Frank Goosen
entgeht der zugespitzten, lachtränenerzeugenden
Beschreibung: Die Erinnerungen an die Schulkumpels Mücke
und Pommes, peinliche Liebesnächte und betörend
schlechte Lieblingsmusik. Aber auch der entsetzliche
Dia-Abend mit aus dem Urlaub heimgekehrten Freunden
wird gewürdigt. Goosen lässt sein Ich in immer
neue Rollen schlüpfen, jede so wiedererkennbar
wahr, dass sie ebenso gut erfunden sein könnte.
Erstmals in Buchform erscheinen nun Frank Goosens gesammelte
Erzählungen, Glossen, Kolummnen und Kurzgeschichten
in einem Band. Ein bestimmt nicht endgültiger Nachlach
zu Lebzeiten.
(©
2004 Eichborn Verlag)
Buchbesprechung - Rezension:
Mein Ich und sein Leben ist eine 200-seitige Sammlung von 35 Kurzgeschichten, die fast alle schon irgendwo veröffentlich wurden. Die meisten Geschichten sind Ich-Erzählungen, in denen Goosen seine Erfahrungen von Kindheit über die Pubertät bis zum Erwachsenwerden im Pott schildert. Wer nach einem westlichen Gegenstück zur Ostalgie sucht, wird hier bestens mit spitzfindigen, prägnanten Schilderungen der BRD in den späten 70er, 80er und 90er Jahren bedient. Wobei dies eher in den Geschichten vorkommt, in denen Goosens' Ich nicht im Mittelpunkt steht.
Einfach grandios sind die Geschichten um seine Familie,
die Originale wie Onkel Hanno beschreiben. Auch die
meisten anderen Geschichten ohne das Ich sind im Durchschnitt
spritziger und leichter, z. B. Audrey Hepburn. Dagegen
fehlen Goosen's Ich-Kurzgeschichten oft Abstand und
Abstraktion, sie wirken teilweise eitel und selbstgerecht.
Da hätte ein kritischer Lektor und etwas Überarbeitung
viel erreichen können.
Das Buch ist ein Vergnügen zu lesen, aber mehr auch nicht. Es wird das Stigma der "Resteverwertung" nicht los. Verlag will von angesagtem Jungautor schnell was Neues auf den Markt werfen. Der hat aber noch nichts. Also greift er in die Ablage, kramt in seinem Skizzenbuch und füttert damit den Literaturbetrieb. Daher lohnt es auch nicht, irgendeinen tieferen Sinn im Inhaltsverzeichnis und dessen Gliederung in 5 Kapitel zu suchen. Besonders ärgerlich ist das Kapitel Das ich unterwegs, eine wirre Aneinanderreihung von eher profanen Hotel- und Kleinstadtgeschichten, die wenig mit dem Rest des Buches zu tun haben.
Für Leser, die Frank Gossen noch nicht kennen, ist dieses Buch ein witziger Einstieg. Kennern seiner beiden Romane Liegen Lernen und Pokorny lacht, sowie seiner Kabarettkariere mit Tresenlesen dürfte es ungefähr soviel bedeuten, wie Rauchern die Kippe während der Arbeit: sie lindert die Sucht, befriedigt aber nicht wirklich. Interessant ist immerhin noch zu sehen, wie Goosen diese Ideen später in seinen beiden Romanen verwendet hat.
Bleibt zu hoffen, dass Goosen sich durch dieses Büchlein den Verlag lange genug vom Hals schaffen konnte, um in Ruhe den nächsten tollen Roman schreiben zu können. Darauf wartet man gerne auch etwas länger und hofft, dass er sich wirklich zum deutschen Nick Hornby entwickeln wird.
(©
2004 Philip Schreiterer für all-around-new-books.de)
******************************************************************************
Sie
haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar
abgeben? Dann bitte hier
entlang ...
|