| Inhalt:
Nach Louis Henry Morgan
ist die Geschichte der Menschheit auch die Geschichte der
Familie und ohne deren Entwicklung nicht denkbar, sie mündet
im abendländischen Kulturkreis in die Antike Griechenlands
und Roms ein. Die Bedingungen dieser Entwicklung können
aus Gründen der Logik auch für andere Kulturkreise
geltend gemacht werden.
Entscheidend für das Leben der Familie war aber nicht,
"Was" die Menschen für ihre Produktion und
Reproduktion herstellten, sondern "Wie" sie produzierten
und sich ihre "Produktivität" entwickelte.
Nur dadurch schufen sie über die Entwicklung der Familie
zur "Gens" die Voraussetzungen für den Übergang
zur Zivilisation, mit der sie unvermeidlich auch die Sklaverei
zu einer sinnvollen Produktion machten.
Für die westliche Weit ist aber der Übergang von
der Gens zur Zivilisation aus rein ökonomischen Ursachen
heraus, am deutlichsten in Griechenland zu erkennen. Sie hatte
ebenfalls den Übergang vom Mutterrecht zum Vaterrecht
zur Folge, der als eine entscheidende Revolution in der Entwicklung
der Gesellschaft zu werten ist. Aus den gleichen Gründen
wird auch der Zwang zur Staatsgründung erkennbar, der
durch neue gesellschaftliche Verhältnisse auch die Integration
von Fremden unvermeidlich machte. In der Entwicklung zur Demokratie
wurden Änderungen der Verfassung erforderlich, weil innere
Konflikte eine Lösung verlangten.
Das hatte auch diktatorische Epochen (Tyrannis), zur Folge,
die mit Duldung des Volkes die Harmonie des gesellschaftlichen
Seins wieder herstellten und aus einem damit verbundenen neuen
Bewusstseins zu neuen Impulsen für die weitere Entwicklung
der Gesellschaft auf allen Ebenen führte.
Auf dieser Grundlage vollzog die "Evolution", auch
nicht ohne Konflikte, die weitere gesellschaftliche Entwicklung,
mit der die Sklaverei überwunden, der Feudalismus neue
Produktionsverhältnisse hervorbrachte und zwangsläufig
mit der bürgerlichen Revolution die Voraussetzung für
die moderne Gesellschaft schuf.
Aber auch ihr blieben innere Konflikte nicht erspart, die
zu revolutionären Ausbrüchen führten, weil
sich das gesellschaftliche Sein durch die "industrielle
Revolution" veränderte und zu einem Bewusstsein
führte, das nicht nur die "sozialistische Revolution"
auslöste, sondern damit auch den"Faschismus"
zur Folge hatte. Diese Polarisierung führte an beiden
Polen zu einer Harmonisierung der Gesellschaft, die sich in
der Sowjetunion im Widerspruch zur allgemeinen gesellschaftlichen
Entwicklung der westlichen Demokratien befand und den Konflikt
zwischen "Ost" und "West" auslöste.
Im "Osten" war aber mit dem gesellschaftlichen Fortschritt
(Diktatur?) eine Harmonisierung des Seins verbunden, das mit
einem daraus resultierenden Bewusstsein zu neuen Impulsen
der Entwicklung führte, die scheinbare Harmonisierung
im Faschismus war aber ein gesellschaftlicher Rückschritt
und hatte eine Diktatur zur Folge. Die Gemeinsamkeiten der
Interessen von Ost und West lösten dann den 2.Weltkrieg
gegen Deutschland aus.
Nach dem Sieg war der Widerspruch zwischen Ost und West aber
nicht überwunden und setzte sich im "Kalten Krieg"
fort, der zum Ende der Sowjetunion führte, weil das Sein
"hinter" dem Bewusstsein zurückgeblieben war.
Mit dem Ende des "Sozialismus" wurde die Kontinuität
der Entwicklung wieder hergestellt, die aber auch zu neuen
Konflikten führte, weil die Welt als Ganzes nicht über
die Harmonie verfügt, die zu Impulsen führen kann,
die der inneren Gesetzmäßigkeit der gesellschaftliche
Entwicklung zu folgen vermag.
Es ist erforderlich, dass die Bedingungen für den heutigen
Zustand der Weit erkannt und auch anerkannt werden, weil sie
abhängig waren, und sind, von den nationalen, völkischen
und ethnischen materiellen Grundlagen ihrer Gesellschaften,
die auch zu einem ihnen zugehörigen Bewusstsein und Religionen,
oder anderer Vorstellungen von der Welt, geführt haben.
Nur aus dem Bewusstsein der Wirklichkeit der gesellschaftlichen
Entwicklung heraus, zu ihrem heutigen Zustand, wird dem Terrorismus
der Boden entzogen.
Die Gesellschaft befindet sich in einem chaotischen Zustand,
der auch in unserem Wirtschaftssystem zum Ausdruck kommt.
In der Wechselbeziehung von Sein und Bewusstsein wird sich
aber ein Wandel von neuen Formen herausbilden.
Wer diese Arbeit gelesen und verstanden hat, wird zu einem
anderen Selbstverständnis finden. Das uns heute zur Verfügung
stehende Wissen der Menschheit, zu dem alle Völker und
Nationen beigetragen haben, kann zu einer relativen Übereinstimmung
von Sein und Bewusstsein "in" der Welt führen,
mit der eine Harmonisierung der verschiedenen Gesellschaften
die bestehenden Konflikte überwinden kann. Die "politischen"
und "weltanschaulichen" Unterschiede im Denken der
Menschen in aller Weit bestehen nur im Abstand zu dem "Wissen",
das den Menschen in ihrer Gesellschaft zur Verfügung
steht. Wir müssen "unsere" Welt sehen wie sie
wirklich ist, das muss zu einem Bestandteil der menschlichen
Bildung werden. Das ist aber ein langer Entwicklungsprozess.
(©
2002 Günter Bogaske)
Zum Autor:
Mein Name ist Günter (Reinhold, Adolf) Bogaske. Ich bin
am 06.12.1919 in Rüstringen, jetzt Wilhelmshaven, geboren.
Ich besuchte die 3. Volksschule in Wilhelmshaven, die nach
der Grundschule einen Anschluss an eine Förderstufe zur
Weiterbildung bot. Nach der Abschlussprüfung erlernte
ich auf der Marinewerft Wilhelmshaven das Maschinenbau-Handwerk,
als Voraussetzung für meine Zielsetzung, wie mein Vater,
Schiffsingenieur zu werden. Dazu war eine Fahrzeit bei der
Handelsmarine von 36 Monaten als Ingenieur-Assistent erforderlich,
die ich Anfang des 2. Weltkrieges noch beenden konnte.
Es war mir möglich, 1943 ein Schiffsingenieurpatent zu
erwerben, mit dem ich bei der Kriegsmarine-Dienststelle in
Hamburg dienstverpflichtet wurde. Ich überlebte zwei
Schiffsverluste und fand nach dem Kriege mit meinem Patent
eine Beschäftigung als Obermaschinist in einem Großkraftwerk.
Mit dem Wiederaufbau der deutschen Handelsmarine meldete ich
mich beim Arbeitsamt Hannover und wurde als 3. Ingenieur auf
den ersten Neubau vermittelt. Durch die Kriegsverluste von
Patentinhabern wurde ich schnell leitender Ingenieur und war
bis 1961 bei verschiedenen deutschen Reedereien tätig.
Aus persönlichen Gründen bewarb ich mich über
eine Agentur bei ausländischen Reedereien und fuhr als
leitender Ingenieur bis 1983 in der internationalen Schifffahrt
unter verschiedenen Flaggen. Die letzten 6 Jahre war ich bei
einer japanischen Reederei, bei der ich dann in Rente ging.
Meine Eindrücke in aller Welt veranlassten mich zum Nachdenken,
dessen Ergebnis sich in einigen Büchern niederschlug.
Dazu gehören "Fragen und Antworten unserer Zeit"
sowie "Brücken über Abgründen", das
das erste Buch in Romanform ergänzt. Eine Arbeit über
meine erste Ausbildungsreise beim NDL ist in Vorbereitung
und soll dazu beitragen, mich als Menschen kennen zu lernen.
Nach 54 Jahren einer glücklichen Seemannsehe verlor ich
1997 meine Frau und wenn es mir in meinem Alter noch vergönnt
sein sollte, möchte ich darüber noch ein Buch schreiben.
(©
Günter Bogaske)
Kommentar
des Autors:
Als ich „Fragen und Antworten unserer Zeit“ schrieb,
stand mir das Buch von Morgan „Die Urgesellschaft“
nicht zur Verfügung. Auch eine Suchanzeige im englischen
und deutschen Buchhandel blieb ohne Erfolg. Durch einen Zufall
fand ich dann mit Hilfe meines Computers heraus, dass das
Buch seit 1987 wieder auf dem Büchermarkt ist. Da meine
Suche vor dieser Zeit erfolgte, konnte es natürlich nicht
gefunden werden. Das möchte ich zu Ehren des Buchhandels
nicht unerwähnt lassen.
Im Besitz der „Urgesellschaft“ stellte ich aber
fest, dass das Gedankengut von Morgan voll zur Geltung gekommen
ist. Es gipfelt in der Erkenntnis, dass die gesellschaftliche
Entwicklung einer inneren Gesetzmäßigkeit unterliegt,
die sich in Übereinstimmung mit unserem Wissen über
die Evolution befindet.
Es widersprach völlig dem Denken seiner Zeit, und wenn
es in Fachkreisen auch Erwähnung gefunden hat, so ist
es bis heute in der Öffentlichkeit nicht zur Diskussion
gestellt worden. Ich möchte das aus gutem Grunde nachholen.
Ich wende mich mit dieser Arbeit an die einschlägige
Wissenschaft, da ich in jahrzehntelanger Beschäftigung
mit der Geschichte der Menschheit zu der Ansicht gekommen
bin, dass etwas nicht stimmt. Ich bin kein Wissenschaftler,
aber ein Mensch, der zumindest davon überzeugt ist, dass
er für diese Behauptung gute Gründe ins Feld führen
kann.
Es gibt zwei entscheidende Vorgänge in der menschlichen
Vorgeschichte, die von der einschlägigen Wissenschaft
vernachlässigt werden. Wenn die Archäologie aus
„fossilen“ Funden uns eine Vorstellung des menschlichen
Daseins in der „Urgesellschaft“ vermittelt, so
werden „fossile“ Formen der Familie, wie sie L.H.
Morgan nachgewiesen hat, völlig ignoriert oder falsch
interpretiert.
Wenn in Beschreibungen des Übergangs von der Urgesellschaft
zur Zivilisation der Begriff „Unfrei“ oder „Sklaverei“
eingeführt wird, so fehlt dafür die Erklärung
der „Hintergründe“ für eine Veränderung
des menschlichen Lebens, das in der "Urgesellschaft"
als mit „Frei“ dargestellt wird. Die Frage für
die Veränderung der sozialen Stellung des Menschen in
seiner Geschichte wird überhaupt nicht gestellt. Dass
es dafür „entwicklungsbedingte“ Ursachen
geben muss, dürfte für einen „Wissenschaftler“
der „Logik" nicht entbehren.
Wenn die Geschichte der Menschheit, die ohne jeden Zweifel
zu Unfreiheit und Sklaverei und damit zu einer Veränderung
im menschlichen Dasein geführt hat und durch die Erkenntnisse
von L.H. Morgan eine Erklärung findet, und, aus welchen
Gründen auch immer, keine Anerkennung findet, dann muss
die einschlägige Wissenschaft zumindest eine bessere
Erklärung dafür anbieten. Sie kann diese folgenschwere
gesellschaftliche Erscheinung nicht einfach ignorieren.
Die
politische Struktur der Gesellschaft ist abhängig von
dem Abstand des Bewusstseins der in ihr wirksamen politischen
Kräfte, zu einem Bewusstsein, das uns das Wissen zu vermitteln
vermag.
Wissen und Bewusstsein ist aber nicht das Gleiche. Nach Morgan
bleibt das Bewusstsein hinter dem gesellschaftlichen Sein
zurück, denn wenn der Mensch sich immer der Konsequenzen
seines Handelns bewusst wäre, würde die „Evolution“
für die menschliche Gesellschaft in Frage gestellt, die
Natur und das „Leben“ wären davon aber nicht
betroffen.
Bleibt aber das „Sein“ hinter dem „Bewusstsein“
zurück, wie die Epoche des Übergangs zur Zivilisation,
die bürgerliche Revolution und das Ende der Sowjetunion
gezeigt hat, dann ist damit immer eine Veränderung des
gesellschaftlichen Zustandes verbunden.
Das bedeutet, dass die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft
einer inneren Gesetzmäßigkeit unterliegt, die sich
nahtlos an die natürliche Evolution und damit an die
Entstehung des Lebens anschließt, dem sich auch der
Mensch nicht entziehen kann. Auf der Grundlage der Wechselbeziehung
von Sein und Bewusstsein unterliegt er diesem Zwang in der
politischen Auseinandersetzung des entsprechenden gesellschaftlichen
Zustandes, von dem sein Bewusstsein geprägt wird.
Ich bin mir in vollem Umfang bewusst, dass das Aufgreifen
des von mir in den Mittelpunkt gerückten Themas ein heißes
Eisen ist, aber ich halte es angesichts der allgemeinen Entwicklung
für an der Zeit, dass man es wagt. Früher oder später
wird es unvermeidlich sein, wenn wir die anstehenden Fragen
der Gesellschaft anpacken wollen.
Ich stelle hiermit das Thema einer Erklärung für
die Hintergründe der Sklaverei und die Ignorierung der
morganschen Erkenntnisse zur Diskussion.
Wenn es die Zielsetzung eines Lexikons ist, den interessierten
Nutzer über mehrheitlich vertretene wissenschaftliche
Lehrmeinungen zu informieren, so fängt damit der Denkfehler
von Lexikonverlagen schon an. Diese Lehrmeinungen finden ihren
Ausdruck in unserer Geistesgeschichte, die mit dem Prozess
der gesellschaftlichen Umwandlung aus der Urgesellschaft in
die Zivilisation ihren Anfang nimmt. Dieser Prozess erstreckte
sich über Jahrhunderte und findet in keinem Lexikon eine
Erwähnung, die seine "materiellen" Ursachen
erkennen lässt. Darüber gibt nur Morgans „Urgesellschaft“
Auskunft.
Was von der Geschichte des "Denkens" zu halten ist,
dazu hat schon der "Wiener Kreis" 1923 Stellung
bezogen, wenn er "erkenntnistheoretisch" postuliert,
"dass alles, was bisher als Philosophie gegolten
habe, weder wahr noch falsch, sondern buchstäblich bedeutungslos
sei".
Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Evolution sich
nach den ureigensten materiellen Gesetzen der Natur vollzogen
hat und ihnen auch heute noch unterliegt. Es ist einfach unlogisch,
davon auszugehen, dass mit dem Auftreten des Menschen die
gegenwärtige und auch künftige Entwicklung den verschiedenen
Interpretationen unserer klassischen "Denker" folgt,
die gesellschaftliche Entwicklung kann nur ihrer "materiellen"
eigenen inneren Gesetzmäßigkeit unterliegen.
Morgan gibt Auskunft darüber, wie in allen Teilen der
Welt der Mensch auf der Grundlage der Wechselbeziehung von
"Sein und Bewusstsein", durch seine "Produktivität"
die Bedingungen seines Lebens veränderte, und damit die
Voraussetzung für den Übergang zur Zivilisation
schuf. Die Steigerung der Produktivität war die Ursache
für die "Sklaverei" als gesellschaftlicher
Produktionsgrundlage zur Sicherung des Lebens in einer neuen
Gesellschaft. Welche Konsequenzen diese Veränderungen
unvermeidlich machten, schildert Morgan in der "Urgesellschaft".
Nur ein "Staat" konnte die resultierenden Konflikte,
die auch im Übergang vom Mutter- zum Vaterrecht bestanden,
im Interesse der ganzen Gesellschaft lösen. Seine Form
entwickelte sich zur Demokratie. Die Steigerung der Produktivität
führte zur Überwindung der Sklaverei, über
den Feudalismus zur "Bürgerlichen Gesellschaft"
und zu seiner heutigen Form.
Das ist die Wirklichkeit, die in keinem modernen Lexikon dargestellt
wird und das macht deutlich, dass die Wissenschaft sich nicht
an ihrem eigenen Ursprung und der daraus resultierenden gesellschaftlichen
Entwicklung orientiert hat. Morgan und seine Mitarbeiter an
der „Urgesellschaft“ waren namhafte Wissenschaftler
oder auch Kritiker, die nicht mit ihm übereinstimmten,
und die er auch beim Namen nennt.
Ich
bin weder Ethnologe, noch Historiker oder Ökonom, sondern
nur ein Mensch, der die Welt so sieht wie sie wirklich ist,
und das verdanke ich Morgan. Wir alle verdanken Morgan aber
auch die Erkenntnis, dass mit dem Wachsen der Komplexität
der Gesellschaft das Bewusstsein hinter dem Sein zurückbleibt.
Das bedeutet in der Umkehr dieser „Erkenntnis",
dass bei einem Zurückbleiben des Seins hinter dem Bewusstsein
die Gesellschaft mit einer Veränderung (Revolution) schwanger
geht. Das zeigt der Übergang von der Urgesellschaft zur
Zivilisation als Grundlage unserer Geistesgeschichte, an der
sich die Repräsentanten der Geschichte des Denkens, unter
Einbeziehung der „Geistesge-schichte“ der Urgesellschaft,
orientieren sollten.
Morgan hat nichts anderes getan, als das „Denken“
des Urmenschen in Abhängigkeit von den „materiellen“
Impulsen, die seine „Produktivität“ auch
ständig verändert hat, deutlich zu machen. Damit
hat er die „Ethnologie“ erst begründet, denn
mit der Verbreitung des Menschen über die Erde haben
erst die unterschiedlichen materiellen Lebensbedingungen,
die er vorfand, zu den heute lebenden Völkern und Nationen
geführt.
Dieser Zustand unserer heutigen Welt ist der Hintergrund des
Terrorismus, man kann ihn nicht kurzfristig verändern,
aber man kann die von dieser Entwicklung betroffenen Völker
und Nationen über die Ursachen des Zurückbleibens
hinter der Kontinuität der gesellschaftlichen Entwicklung
aufklären.
Dazu gehört auch, ihnen deutlich zu machen, dass nur
mit Hilfe der „fortgeschrittenen Länder“
der Anschluss an die westliche Welt zu erreichen ist. Nur
die Veränderung ihres Seins schafft die Voraussetzung
für eine Veränderung des Bewusstseins. Das Sein
bestimmt das Bewusstsein und das muss zur Substanz unserer
Geistesgeschichte gemacht werden. Das erfordert weniger Einsatz
von Kapital als ein Krieg (Irakkrieg). Nur diese Grundkonzeption
entzieht dem Terrorismus die Grundlage. Wenn die USA das begriffen
haben, besitzen sie die Waffe gegen den Terror. Das gilt auch
für Israel und die Palästinenser. Auch das könnte
sich jedes Lexikon zur Aufgabe machen.
Die menschliche Produktivität war der Hintergrund für
den Übergang von der Sklaverei zum Feudalismus, vom Feudalismus
zur Bürgerlichen Gesellschaft, sowie die gesellschaftlichen
Veränderungen innerhalb dieser Gesellschaft zur sozialistischen
Revolution, wie auch die sogenannte nationale Revolution der
Nazis, die Globalisierung und die Auseinandersetzung um die
Agenda 2010.
Dazu gehört aber auch die innerparteiliche Auseinandersetzung
in der SPD, in der viele Mitglieder glauben, ihre Partei nicht
mehr zu erkennen. Sie werden erkennen müssen, dass der
gesellschaftliche Zustand bei der Gründung der Partei
sich wesentlich unterscheidet von dem Zustand in der Gegenwart.
Auch hier lässt sich erkennen, dass das Bewusstsein der
Genossen hinter dem Sein zurück geblieben ist. Die Entwicklung
wird aber über sie hinweg schreiten.
In der Konsequenz dieses Vorgangs liegt die Erkenntnis verborgen,
dass die geistige und politische Struktur einer gegebenen
Gesellschaft abhängig ist von der inneren Gesetzmäßigkeit
der Evolution auf der Grundlage der Wechselbeziehung von Sein
und Bewusstsein während der gesamten Geschichte der Menschheit.
Unsere Geistesgeschichte hat durch unser heutiges Wissen ihre
Substanz verloren. Von den Repräsentanten dieser Geschichte
hat nur Marx als Weltanschauung noch Substanz. Als Programm
hatte der Marxismus nur das Fundament des gesellschaftlichen
Zustandes seiner Zeit als Grundlage, die unserer modernen
Gesellschaft widerspricht. Die Bedeutung von Marx geht auch
aus der ZDF-Sendung mit der Suche nach dem „Besten-Deutschen"
hervor.
Morgan stellt den Prozess des Übergangs aus der Urgesellschaft
zur Zivilisation in Attika dar, der sehr an die Vorgänge
für die notwendigen Reformen von heute erinnert. Wir
können daraus nur lernen, wenn wir uns an der Wirklichkeit
unserer Geschichte orientieren.
Den heutigen chaotischen Zustand unserer Gesellschaft in annehmbare
geordnete Bahnen zu lenken, wird mehr als nur Jahrzehnte erfordern
Wenn das Gedankengut von Morgan global zur Diskussion gestellt
werden würde, könnte man den Ursprung des Terrors
und die Möglichkeiten seiner Bekämpfung durch weltweite
Aufklärung erst wirklich verstehen. Verstehen kann man
dann auch den Hintergrund des Irakkrieges, wenn man das Wesen
unserer Zivilisation, nach Darstellung von Morgan über
die Geschichte „Attikas“, als die Wirklichkeit
unserer Geschichte auch in der Geschichtsschreibung wiederfindet
und sich daran auch orientiert. Das könnte zu einem Prozess
werden, mit dem die Medien und die Politik über viele
Jahre beschäftigt wären. Die fortgeschrittene Gesellschaft
würde wieder mit einem Inhalt versehen und einen Sinn
erhalten, anstatt mit dem Finger nur in den Wunden des Körpers
der Gesellschaft herumzustochern.
Die
„Urgesellschaft“ lässt uns erkennen, dass
eine innere Gesetzmäßigkeit der Entwicklung der
Gesellschaft vorliegt und das möchte ich auch nochmals
in meinem Buch »
"Brücken
über Abgründen“ deutlich
machen.
Sie zeigt aber auch durch die Darstellung von Morgan über
die Vorgänge in Attika, was Zivilisation bedeutet.
Man
muss erkennen, dass die Zivilisation gekennzeichnet ist von
dem Kampf um die Verteilung des Überschusses an der gesellschaftlichen
Produktion. Dieser Kampf zeigt die Veränderung der Spezies
Mensch durch die Veränderung seines gesellschaftlichen
Seins. Das setzt die Anerkennung voraus, dass das „Sein
das Bewusstsein“ bestimmt.
Unsere Geistesgeschichte hat durch das uns heute zur Verfügung
stehende Wissen an Substanz verloren, das heißt, man
sollte sie nur als „Geschichte“ verstehen, ohne
die Verdienste ihrer Repräsentanten zu vernachlässigen
.
Die Resonanz auf beide Bücher hat zu der „Erkenntnis“
geführt, dass beide Arbeiten nicht voneinander zu trennen
sind und als eine Einheit betrachtet werden sollten.
Das zweite Buch wird nur mit dem Wissen um das erste Buch
verstanden werden, aber umgekehrt wird das erste Buch besser
verstanden, weil im zweiten auf jeder Seite zu erkennen ist,
aus welchem Bewusstsein heraus es entstanden ist.
Die sozialistische Revolution in Russland hatte eine neue
Dimension, da sie im Widerspruch zur Kontinuität der
Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft (Kapitalismus)
stand. Die reaktionären Kräfte lösten einen
Widerstand aus, mit dem die ganze Welt in Brand geriet. Dieser
Brand schwelt noch immer und ist auch der Hintergrund des
Irakkrieges. Er wird erst erlöschen, wenn die Entwicklung
wieder einmündet in eine innere Gesetzmäßigkeit,
mit der auch der Terrorismus überwunden werden wird.
Es ist ein langer Prozess zur Wiederherstellung eines gesellschaftlichen
Zustandes, auf höherer Ebene, mit der die Menschheitsgeschichte
einmal begonnen hat.
Das mag etwas zu hoch gesteckt erscheinen, aber es ist die
logische Schlussfolgerung aus dem Gedankengut von Lewis Henry
Morgan und unserem Wissen um die Evolution an sich.
Nur wenn man erkennt, das der Sozialismus nicht nur eine Idee
ist, sondern ganz bestimmte materielle gesellschaftliche Voraussetzungen
dazu geführt haben, dass ein bestehender Zustand der
Gesellschaft nach einer Veränderung verlangte (auch Ursprung
der SPD).
Die Gesellschaft ging mit einen Revolution „schwanger“.
Ein Zustand, der sich in der Geschichte der Menschheit mehrmals
wiederholt hat (Übergang zur Zivilisation, Entwicklungsstadien
bis zur bürgerlichen Revolution, industrielle Revolution).
Die von der Entwicklung überholten politischen Kräfte
sollte man aber nicht vom politischen Leben ausschalten, wenn
sie aus der Geschichte gelernt haben, denn ein anderer gesellschaftlicher
Zustand hat auch für diese Kräfte ein anderes Bewusstsein
zur Folge, das der Gesellschaft neue Impulse der Entwicklung
verleihen kann. Auch das lehrt uns die Kontinuität der
Geschichte nach Eintritt in die Zivilisation.
Der Krieg der zivilisierten, freien und demokratischen Welt
gegen den Terrorismus kann nur erfolgreich sein, wenn diese
Welt sich selber so sieht, wie sie wirklich ist.
Ihre Geschichte lehrt uns, dass die Menschen ihre Welt nie
bewusst erbaut haben, sie mussten immer den Schritt folgen,
den ihnen die natürliche Entwicklung (oder die Evolution)
vorgegeben hatte. Wir müssen uns heute alle fragen, welchen
Schritt uns die Entwicklung mit der Kriegserklärung der
Terroristen vorgegeben hat, tun wir jetzt den nächsten
Schritt. Wir können alle nur hoffen, dass es der Richtige
ist. Er kann aber nicht in der „Konfrontation“
liegen, sondern nur in der „Kooperation“. Allen
Staaten außerhalb der westlichen Allianz gegen den Terrorismus
muss durch die Veränderung „Ihres Seins“
bewusst gemacht werden, dass die Unterschiede ihres gesellschaftlichen
Zustandes einer ganz natürlichen Entwicklung entspricht,
dessen Veränderungen in Richtung der westlichen Lebensbedingungen
das Potential des bestehenden Spannungsfeldes auf ein natürliches
Maß reduziert.
Das entzieht dem Terrorismus die Grundlage.
(©
2004 Günter Bogaske)
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