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Wirtschaft, Politik & Zeitgeschichte

Ihr Lieben, allzu weit entfernten
Briefe von Louise Jacobsen an ihre Familie 1942-1943.

Autorin: Nadia Kaluski-Jacobson (Hrsg.)
Mit einem Vorwort von Ian Kershaw
Aus dem Englischen von Wolfram Ströle und Helmut Dierlamm

Taschenbuch, 207 Seiten
erschienen: 07/2001
Knaur
ISBN: 3-426-61492-8
Preis: 8,90 Euro / 16,50 SFR
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Inhalt und Fazit:
Nadia Kaluski-Jacobson veröffentlicht hier die Briefe ihrer kleinen Schwester Louise, die ihre Familie vom August 1942 bis Februar 1943 erhielt. Aufgrund einer Denunziation wurde die sechzehnjährige Schülerin verhaftet und kam bis zur Beendigung ihrer Ermittlung ins Gefängnis. Von dort aus brachte man sie nach ihrer Entlassung in ein Sammellager für Juden. Aus diesen beiden Gefangenschaften sandte sie ihre Briefe, bis man sie am 13. Februar 1943 nach Auschwitz deportierte, wo sie ermordet wurde.
Ergänzt werden die Briefe durch Berichte der Schwester über die Familie und die wichtigsten politischen Ereignisse. Außerdem gibt es auch Briefe des Vaters, der Mutter, die ebenfalls im Gefängnis war und später deportiert wurde, und von Freunden.

Das Buch beginnt mit dem Bericht über die Familie und die Vorgänge, die zur Verhaftung von Louise und ihrer Mutter führten. Zusätzlich wird die damalige Situation in Frankreich, vor allem für Juden, erläutert. So liegen alle wichtigen Informationen zum Verständnis der Briefe vor. Auch zwischen den Briefen stehen immer wieder Passagen, die einen besseren Einblick ermöglichen. Es sind nicht nur Louises Briefe abgedruckt, sondern alle erhaltenen Briefe der Familie. Die des Vaters, der Louise im Gefängnis besuchen konnte, die der ebenfalls inhaftierten Mutter und einige von Nadias, in Kriegsgefangenschaft geratenen, Mann.
Zum Schluss beschreibt Nadia Kaluski-Jacobson intensiv ihre Bemühungen um die Veröffentlichung der Briefe, um so ein Gedenken an die aus Frankreich deportierten und ermordeten Juden und Zigeuner zu ermöglichen. Sie erzählt von den Steinen, die ihr dabei in den Weg gelegt wurden, aber auch von den vielen Men-schen, die diese Idee positiv aufnahmen und zu ihrer Verwirklichung beitrugen. So gibt es inzwischen nicht nur die in mehrere Sprachen übersetzten Briefe, sondern auch verschiedene danach inszenierte Theaterstücke.

Aus den Briefen spricht sehr viel Mut und Hoffnung. Louise und ihre Mutter versuchten immer, ihrer Familie die schlechten Verhältnisse ihrer Unterbringung zu verbergen. Vor allem aus einigen heraus-geschmuggelten Briefen an Louises Freundinnen ist bekannt, wie es im Gefängnis wirklich zuging. Es gibt kein Klagen, nur immer wieder der Ausdruck der Freude über die erhaltene Post, die der wichtigste Halt in dieser Situation ist, und die Hoffnung, sich bald wieder in die Arme schließen zu können. Erst die späten Briefe der Mutter aus dem Gefängnis lassen etwas von Verzweiflung spüren.
Größer als die Furcht der Inhaftierten ist die Hilflosigkeit der übrigen Familienmitglieder und bedrückend vor allem das Gefühl der Schuld, verbunden mit der Frage: "Warum sie und nicht ich?". Dieses unbegründete Schuldgefühl spürt man in den Kommentaren der Herausgeberin; es hat sie auch nach fünfzig Jahren nicht verlassen.

(© 2002 Stefanie Brink für all-around-new-books.de)

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