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Inhalt
und Fazit:
Nadia Kaluski-Jacobson
veröffentlicht hier die Briefe ihrer kleinen Schwester Louise,
die ihre Familie vom August 1942 bis Februar 1943 erhielt.
Aufgrund einer Denunziation wurde die sechzehnjährige Schülerin
verhaftet und kam bis zur Beendigung ihrer Ermittlung ins
Gefängnis. Von dort aus brachte man sie nach ihrer Entlassung
in ein Sammellager für Juden. Aus diesen beiden Gefangenschaften
sandte sie ihre Briefe, bis man sie am 13. Februar 1943 nach
Auschwitz deportierte, wo sie ermordet wurde.
Ergänzt werden die Briefe durch Berichte der Schwester über
die Familie und die wichtigsten politischen Ereignisse. Außerdem
gibt es auch Briefe des Vaters, der Mutter, die ebenfalls
im Gefängnis war und später deportiert wurde, und von Freunden.
Das Buch beginnt mit dem
Bericht über die Familie und die Vorgänge, die zur Verhaftung
von Louise und ihrer Mutter führten. Zusätzlich wird die damalige
Situation in Frankreich, vor allem für Juden, erläutert. So
liegen alle wichtigen Informationen zum Verständnis der Briefe
vor. Auch zwischen den Briefen stehen immer wieder Passagen,
die einen besseren Einblick ermöglichen. Es sind nicht nur
Louises Briefe abgedruckt, sondern alle erhaltenen Briefe
der Familie. Die des Vaters, der Louise im Gefängnis besuchen
konnte, die der ebenfalls inhaftierten Mutter und einige von
Nadias, in Kriegsgefangenschaft geratenen, Mann.
Zum Schluss beschreibt Nadia Kaluski-Jacobson intensiv ihre
Bemühungen um die Veröffentlichung der Briefe, um so ein Gedenken
an die aus Frankreich deportierten und ermordeten Juden und
Zigeuner zu ermöglichen. Sie erzählt von den Steinen, die
ihr dabei in den Weg gelegt wurden, aber auch von den vielen
Men-schen, die diese Idee positiv aufnahmen und zu ihrer Verwirklichung
beitrugen. So gibt es inzwischen nicht nur die in mehrere
Sprachen übersetzten Briefe, sondern auch verschiedene danach
inszenierte Theaterstücke.
Aus den Briefen spricht sehr
viel Mut und Hoffnung. Louise und ihre Mutter versuchten immer,
ihrer Familie die schlechten Verhältnisse ihrer Unterbringung
zu verbergen. Vor allem aus einigen heraus-geschmuggelten
Briefen an Louises Freundinnen ist bekannt, wie es im Gefängnis
wirklich zuging. Es gibt kein Klagen, nur immer wieder der
Ausdruck der Freude über die erhaltene Post, die der wichtigste
Halt in dieser Situation ist, und die Hoffnung, sich bald
wieder in die Arme schließen zu können. Erst die späten Briefe
der Mutter aus dem Gefängnis lassen etwas von Verzweiflung
spüren.
Größer als die Furcht der Inhaftierten ist die Hilflosigkeit
der übrigen Familienmitglieder und bedrückend vor allem das
Gefühl der Schuld, verbunden mit der Frage: "Warum sie und
nicht ich?". Dieses unbegründete Schuldgefühl spürt man in
den Kommentaren der Herausgeberin; es hat sie auch nach fünfzig
Jahren nicht verlassen.
(©
2002 Stefanie Brink für all-around-new-books.de)
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