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Inhalt
und Fazit:
Zum Inhalt
Das Taschenbuch umfasst 372 Seiten, die sich wie folgt aufteilen:
Widmung (Ernest Britton, MBE), Danksagung, Vorwort und Einleitung
auf den Seiten 7 bis 18.
Der
thematisch-chronologische Hauptteil auf den Seiten 19 bis
335 ist - versehen mit einigen Abbildungen und Karten im Text
- gegliedert in:
– Entstehung der U-Tanker
– Versorgungsschiffe
– Ultra
– Entfernte Gebiete
– Operation Paukenschlag
– Milchkühe
– Neue alliierte Waffen
– Geleitzüge
– Kapstadt
– Probleme werden größer
– Schwarzer Mai
– Biskaya
– Atlantik
– Versorgung anderer Kriegsschauplätze
– Wieder Nordatlantik
– Der Druck bleibt
– Ende der Milchkühe und
– Nachwort
Im Anhang der Seiten 337 bis 359 finden sich umfangreiche,
detaillierte Informationen zu Erfolgen der Milchkühe,
Zusammenarbeit mit Spanien, Einsatzfahrten, U-Boot-Typen,
Dienstgraden und U-Tankern. Die Planquadratkarte Atlantik,
Literaturverzeichnis und Bildnachweis runden das Hauptwerk
ab. Erschlossen werden die Seiten 19 bis 352 durch ein Stichwortverzeichnis
mit 781 Einträgen und oft mehreren Fundstellen.
Systematisches
Der Autor berichtet in den 17 Kapiteln von Hintergrund, Entstehung,
Blüte und Niedergang der vielen unbekannten deutschen
U–Versorger im II. Weltkrieg. Dabei verknüpft er
thematische mit chronologischer Gliederung, was hier ein Amalgam
aus Nähe am Geschehen und kritischer Distanz schafft.
Neben den technischen Schwierigkeiten der Entwicklung und
des Betriebs der Boote dominiert ein Thema: die überragende
Bedeutung der alliierten Funkaufklärung für den
Sieg nicht nur in der Atlantikschlacht.
Immer
wieder zeigen die Quellen des Autors, wie einerseits Aufklärungsergebnisse
wohlabgewogen genutzt wurden und andererseits der BdU bis
zuletzt von ungebrochener Verschlüsselung ausging, obwohl
seine Crews seit 1943 ausreichend Grund hatten, die Kompromittierung
zu vermuten. Merkenswert dazu des Autors allgemeine Schlussfolgerung
im Nachwort: "Man muß immer davon ausgehen, daß
andere die eigenen Meldungen lesen und entziffern können,
seien sie direkt oder auf elektronischem Weg übermittelt.
Man sollte sich sicher sein, daß seine Nachricht auch
dann, wenn sie abgehört wurde, nur für den verständlich
ist, der sie erhalten soll." (S. 335)
Natürlich
kommen auch die Folgen des weiterentwickelten Radars der Alliierten
und ihrer strategischen und taktischen Funkpeilung nicht zu
kurz.
Taktische
Fragen, wie das Prozedere der Unterwasserbetankung, das Ignorieren
Dönitz´scher Befehle zur eigenen Sicherheit oder
die Wechselwirkung zwischen mangelnder Luftunterstützung
("Alles, was fliegt, gehört mir!") und Sicherheit
des Biskayatransfers, ergänzen sich mit strategischen
Angaben zum Anteil der Milchkühe an den Versenkungen,
der Ausrüstung mit 37mm-Flak oder ihrer Dislozierung
in verschiedenen Seegebieten zu einem stimmigen Bild. Dabei
verbindet White quantitative mit qualitativen Erwägungen,
um zu Einschätzungen beispielsweise der Auswirkungen
auf die Versorgung zu gelangen (S. 331).
Ganz
nebenbei wird auch einmal ein wenig qualifizierter Autor bloßgestellt,
so z. B. Clay Blair mit seiner fehlerhaften Analyse der Auswirkungen
von Enigma-Entschlüsselung auf die Milchkuhangriffe (S.
354). Übrigens fällt nur eine kleine Ungenauigkeit
auf: Vizeadmiral Wolfgang Wegeners Schrift "Die Seestrategie
des Weltkrieges" wird als "Strategie ..." angeführt
(S. 19).
Selbstverständlich sind alle wichtigen Geräte wie
Bachstelze, Naxos, Leigh Light oder Metox aufgeführt,
so sie eine Rolle spielten. Und schließlich nutzte der
Autor seine Gespräche mit Fachleuten, gelegentlich "hautnah"
am Geschehen zu schreiben.
Stilistisch steht White in der guten britischen Tradition
fairer, unaufgeregter und vor allem unpolemischer Sachbücher.
Buchtechnisches
Der fehlerfreie Satz in korrekter Rechtschreibung, der vielleicht
der Zweitverwertung von Satzdaten (der gebundenen Ausgabe)
als auch bewusster Beibehaltung erprobter Konventionen geschuldet
sein mag, trägt zu einem mühelosen Lesevergnügen
bei. Die Verarbeitung ist taschenbuchgemäß sauber.
Nur das Stichwortverzeichnis leidet etwas darunter, dass bis
zu 63 Fundstellen (z. B. für "Dönitz")
ohne Differenzierung aufgezählt werden. Hier gerät
das Finden zur Glückssache.
Die zahlreichen Originalquellen – Kriegstagebücher,
FKpt Hesslers Ausarbeitung, Horst Bredows U-Boot-Archiv, Ultra
B-Unterlagen – sowie die benutzten Fachbücher sind
leider im Text selbst nicht referenziert, was es schwierig
macht, selbst nachzuschlagen.
Die Übersetzung von Carsten Wenke ist so gelungen, dass
man meint, die Originalsprache vor sich zu haben.
Bewertung
Whites Identifizierung mit seinem Thema, seine langjährige
Leidenschaft für das Sammeln und Verarbeiten aller relevanten
Quellen und seine sorgfältige Auseinandersetzung mit
der für ihn fremden Quellensprache haben ein Grundlagenwerk
mit hervorragendem Preis-/Leistungsverhältnis geschaffen.
Niemand, der sich über das Thema der deutschen U-Boot-Versorgung
auf See im II. Weltkrieg informieren will, dürfte dieses
Buch ignorieren. Es kann allen Interessierten nur wärmstens
empfohlen werden.
Eine zukünftige Auflage könnte ihren Nutzen durch
Differenzierung der Stichworte und Fundstellenangaben im Text
noch erhöhen.
(©
2004 Michael Titz für all-around-new-books.de)
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