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Klappentext:
Nachdem der Sozialismus
auf deutschem Boden gescheitert ist, ist nun auch das heutige
System der Sozialen Marktwirtschaft am Ende: Das "Modell
Deutschland" verschwindet im Nebel der Geschichte - unwiderruflich.
Auferstanden aus den Ruinen der Hitler-Jahre, weltweit beneidet,
oft kopiert, hat es seit längerem schon aufgehört
zu funktionieren. Das einstige Erfolgssystem hat sich selbst
übersteuert. Gabor Steingart zieht eine pointierte und
überraschende Schlussbilanz. Er analysiert Aufstieg und
Absturz des Wohlfahrtsstaates, erzählt von Irrtümern,
Missverständnissen und den Bequemlichkeiten der politischen
Elite. Alles zwingt uns zum Neustart. Vieles wird sich ändern
in den kommenden Jahren: unsere Art zu arbeiten, zu leben,
Politik zu machen. Die Summe der Neuerungen kommt einer zweiten
Staatsgründung gleich. Das neue Deutschland - in diesem
provozierenden Buch wird es sichtbar.
(©
2004 Piper Verlag)
Fazit:
Seit Jahren warten wir nun schon auf den wirtschaftlichen
Aufschwung - vergebens. Das Bruttoinlandsprodukt will einfach
nicht steigen, die Zahl der Arbeitslosen nicht fallen. Das
einzige, das kontinuierlich steigt, sind die Sozialausgaben
des Staates, so dass bei den öffentlichen Haushalten
das Defizit stets größer wird und durch immer mehr
Schulden ausgeglichen werden muss, die inzwischen die unvorstellbare
Summe von 1,3 Billionen EUR erreicht haben. Ein Ende dieser
katastrophalen Entwicklung scheint nicht in Sicht. "Unser
Wirtschafts- und Sozialsystem muss dringend reformiert werden",
hören wir jeden Sonntagabend bei Sabine Christiansen,
aber außer immer höheren Abgaben bei der Gehaltsabrechnung
und 10 EUR Praxisgebühr bemerken wir nichts von Veränderungen.
Reformieren reicht nicht mehr aus, grundsätzliche Veränderungen
sind nötig.
In den vergangenen
Wochen hat der SPIEGEL mehrmals durch ausführliche Geschichten
über unser Sozialsystem und die Förderung des Aufbau-Ost
endlich eine breite Diskussion über die Zukunft der Deutschland-AG,
von der wir ja alle einen unverkäuflichen Anteilschein
besitzen, angestoßen.
Der
Wirtschaftsjournalist und Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros,
Gabor Steingart, hat nun ein exzellentes Buch vorgelegt, in
dem er belegt, dass Deutschland zwar regierungsfähig,
nicht aber reformfähig ist. Die Ursachen liegen in der
Gründung der Bundesrepublik und ihrem Grundgesetz. Nach
der Hitler-Diktatur wollte man unter dem Motto "Nie wieder!"
einen Anti-Führer-Staat etablieren. So ist mit Bundestag
und Bundesrat zwar ein stabiles System entstanden, das jedoch
durch seine Schwerfälligkeit heute als das langsamste
Regierungssystem der Welt angesehen wird. Die beiden Organe
blockieren sich gegenseitig und lassen Veränderungen
und echte Reformen kaum zu. Der Sozialstaat, auf den wir so
stolz sind und in dem die meisten von uns sich in den letzten
Jahrzehnten ganz gut eingerichtet haben, ist entstanden in
einer industriellen Vollerwerbsgesellschaft mit zweistelligem
Wirtschaftswachstum. Kluge Wirtschaftspolitiker haben bereits
damals bei der Entstehung des Systems auf mögliche Gefahren
hingewiesen, in der Aufbau-Euphorie wollte dies niemand hören,
schon gar nicht Politiker wie Adenauer oder Willy Brandt.
Heute haben wir
den Schlamassel: Die Sozialausgaben wuchsen doppelt so schnell
wie die Volkswirtschaft, was sich in Rezessionszeiten noch
potenziert. Der Wohlfahrtsstaat wurde geradezu ausgebeutet.
Der
Autor lässt uns mit dieser Erkenntnis aber nicht sitzen.
In kurzen Kapiteln analysiert er die Entwicklung des Modells
Deutschland von Bismarck bis heute, wobei der Schwerpunkt
bei der Gründung der BRD liegt, weil da die Schwachstellen
in dem Sozialsystem entstanden sind. Steingart begnügt
sich nicht mit Analyse und Kritik, er entwickelt Theorien
und praktische Vorschläge, wie unser Sozialstaat gerettet
werden kann. Die Veränderungen kommen einer zweiten Staatsgründung
gleich, aber wenn 80 Millionen Menschen dies wollen, könnte
unser Land in ein paar Jahren wieder der Musterschüler
an der wirtschaftlichen Weltspitze sein.
Das
Buch ist flüssig geschrieben und für jedermann,
der sich für die sozialen und wirtschaftlichen Probleme
unseres Staates interessiert, gut verständlich. Wenige,
doch klare Schaubilder tragen zur Erläuterung bei.
Das kluge, sachliche,
nie polemische Buch bietet eine gute Diskussionsgrundlage;
es dient zur Allgemeinbildung im besten Sinne. Wer dieses
Buch gelesen hat, wird künftig Nachrichten in der Presse
oder im Fernsehen anders wahrnehmen und verstehen.
Zum
Schluss eine Anmerkung für den Verlag: Auch wenn aus
Aktualitätsgründen ein solches Buch schnell auf
den Markt kommen muss, sollte auf ein sorgfältiges Lektorat
mit Korrekturen nicht verzichtet werden. Die Fehlerquote liegt
deutlich über der Toleranzgrenze!
(©
2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)
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