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Klappentext:
Durch Zufall stößt ein Philosophiedoktorand in der Bibliothèque Nationale auf einen vergessenen Exzentriker, der im 18.Jahrhundert die Pariser Salons eroberte. Gaspard Languenhaert, ein brillanter Kopf, behauptete lauthals, die Welt existiere nur in seinem Denken. In kürzester Zeit bildete sich eine Jüngerschar um ihn, lauter Egoisten, ein jeder sein eigener Gott, die zusammen um die Wette spekulieren. Aber was nützen die hitzigsten Debatten, wenn doch jedes Gespräch letztlich nur ein Selbstgespräch bleibt? Und die Liebe? Ist es denn überhaupt möglich, den Reizen der eigenen Schöpfung zu erliegen? War Languenhaert also ein großer Philosoph, ein Menschenverächter, ein selbstverliebter Narr oder einfach nur das Opfer seiner eigenen Geistesschärfe? Was als Forschungsreise beginnt, endet als turbulente Zeitreise an einen Ort, wo das Wirkliche und das Wahre weniger gemeinsam haben, als man denkt. Nach seinen beiden Erfolgserzählungen Monsieur Ibrahim und Oskar und die Dame in Rosa liegt nun auch Schmitts 1994 erschienenes Romandebüt in deutscher Übersetzung vor.
Zum Autor:
Eric-Emmanuel Schmitt wurde 1960 in St.-Foy-les-Lyon geboren, studierte Klavier in Lyon und Philosophie in Paris. Seine Dissertation schrieb er zum Thema "Diderot und die Philosophie der Verführung". Schmitt gilt als einer der wichtigsten neuen französischen Theaterautoren. Im Ammann Verlag erschienen bislang die beiden Erzählungen Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran (2002) - verfilmt mit Omar Sharif in der Titelrolle - sowie Oskar und die Dame in Rosa (2003). Auf der Leipziger Buchmesse 2004 wurde Schmitt mit dem Deutschen Bücherpreis ausgezeichnet.
(©
2004 Amman
Verlag)
Buchbesprechung - Rezension:
Da sitzt ein Philosophiestudent in der Bibliothek an seiner Dissertation und arbeitet an seinen "obskuren Forschungen auf dem Gebiet der mittelalterlichen Linguistik, die niemanden interessieren", nicht einmal ihn selbst. Wie albern kommt ihm dieser Vorgang auf einmal vor, und er verspürt "Haß" auf seine Arbeit. (Welcher ehemalige Student kennt diese Gefühle nicht!) Plötzlich packt ihn eine ungeheure Lust, für einen Moment aus dem seriösen Wissenschaftsbetrieb auszubrechen, etwas Unvernünftiges zu tun, Zeit zu vergeuden, nur zum Spaß.
An den Katalogschränken zieht er eine beliebige
Schublade auf und wählt blindlings eine Karteikarte
aus. Dieses Buch möchte er jetzt lesen, eine Art
literarisches Roulette. Mit der Lektüre beginnt
für ihn das größte Abenteuer seines
Lebens. Er lernt den ihm bislang unbekannten Gaspard
Languenhaert kennen, einen Egoisten, der im 18. Jahrhundert
behauptet hat, Materie existiere nicht, alles sei spirituell,
die Natur sei nur die Prosa der Wahrnehmungen. Im übrigen
sei alles von ihm geschaffen. Von vielen belächelt,
fanden diese Gedanken dennoch bald einige Anhänger,
so dass Languenhaert eine Schule für Egoisten gründete,
in der jeder Teilnehmer sich als sein eigener Gott fühlen
durfte.
Auch der Philosophiestudent ist 200 Jahre später
von dem Mann und seinen Gedanken fasziniert, eine Sucht
überfällt ihn. Es scheint, als habe er auf
die Begegnung mit dieser Person gewartet. Er recherchiert
in allen großen Bibliotheken Europas, und irgendwann
stellt er fest, dass er nicht der einzige ist, der sich
mit Gaspard Languenhaert beschäftigt. Die Geschichte
holt ihn ein. Fiktion und Realität verschmelzen
miteinander. Wir werden entführt ins 18. Jahrhundert
und werden Zeitgenossen des kuriosen, exzentrischen
Gaspard. Am Schluss ist nicht mehr eindeutig zu sagen,
ob der Student dies tatsächlich erlebt hat, ja,
wer er eigentlich ist. Schaut man als Leser jetzt noch
einmal auf die erste Seite, sticht ein Satz ins Auge,
den man zu Beginn einfach überlesen hat: "Ich
träume...ich lebe nicht mehr...Ich bin gefangen
in einer Scheinwelt ..."
Eric-Emmanuel Schmitt war von 1986 bis 1993 Frankreichs
jüngster Lehrbeauftragter für Philosophie
an der Universität. Seit Anfang der 90-er Jahre
schreibt er Theaterstücke und Prosa, die heute
in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt sind.
Seine Stücke Der Besucher und Enigma
sind in den Spielplänen zahlreicher Theater zu
finden, die Erzählungen Monsieur Ibrahim und
die Blumen des Koran sowie Oskar und die Dame
in Rosa stehen seit mehreren Monaten auf den Bestsellerlisten.
Die Schule der Egoisten ist sein erster Roman,
der bereits 1994 entstanden ist, aber erst seit kurzem
in deutscher Sprache vorliegt. Im Gegensatz zu den liebenswürdigen,
zarten, leichten Parabelerzählungen Oskar und
die Dame in Rosa und Monsieur Ibrahim und die
Blumen des Koran spürt man bei diesem Buch
gelegentlich die Herkunft des Autors. Schmitt übt
noch. Der Philosoph drängt sich häufig nach
vorne, der, zwar begabte, Erzähler steht noch am
Anfang. Das Buch hat nicht die Spannung und Brillanz
der beiden folgenden Bände. Es wirkt zu konstruiert,
hat kein Geheimnis. In der ersten Hälfte kommt
es einem ziemlich verworren vor.
Eingefleischte Schmitt-Fans werden es natürlich
lesen. Wem dieser Autor noch fremd ist und wer ihn kennenlernen
möchte, sollte mit Monsieur Ibrahim und die
Blumen des Koran beginnen.
(©
2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)
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