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Roman/Erzählung

Die Schule der Egoisten

Autor: Eric-Emmanuel Schmitt
Aus dem Französischen von Ines Koebel

Roman
gebunden mit Schutzumschlag, 168 Seiten
erschienen: Juli 2004
Ammann
ISBN: 325060061X
Preis: 16,90 Euro

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Klappentext:
Durch Zufall stößt ein Philosophiedoktorand in der Bibliothèque Nationale auf einen vergessenen Exzentriker, der im 18.Jahrhundert die Pariser Salons eroberte. Gaspard Languenhaert, ein brillanter Kopf, behauptete lauthals, die Welt existiere nur in seinem Denken. In kürzester Zeit bildete sich eine Jüngerschar um ihn, lauter ›Egoisten‹, ein jeder sein eigener Gott, die zusammen um die Wette spekulieren. Aber was nützen die hitzigsten Debatten, wenn doch jedes Gespräch letztlich nur ein Selbstgespräch bleibt? Und die Liebe? Ist es denn überhaupt möglich, den Reizen der eigenen Schöpfung zu erliegen? War Languenhaert also ein großer Philosoph, ein Menschenverächter, ein selbstverliebter Narr oder einfach nur das Opfer seiner eigenen Geistesschärfe? Was als Forschungsreise beginnt, endet als turbulente Zeitreise an einen Ort, wo das Wirkliche und das Wahre weniger gemeinsam haben, als man denkt. Nach seinen beiden Erfolgserzählungen Monsieur Ibrahim und Oskar und die Dame in Rosa liegt nun auch Schmitts 1994 erschienenes Romandebüt in deutscher Übersetzung vor.

Zum Autor:
Eric-Emmanuel Schmitt wurde 1960 in St.-Foy-les-Lyon geboren, studierte Klavier in Lyon und Philosophie in Paris. Seine Dissertation schrieb er zum Thema "Diderot und die Philosophie der Verführung". Schmitt gilt als einer der wichtigsten neuen französischen Theaterautoren. Im Ammann Verlag erschienen bislang die beiden Erzählungen Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran (2002) - verfilmt mit Omar Sharif in der Titelrolle - sowie Oskar und die Dame in Rosa (2003). Auf der Leipziger Buchmesse 2004 wurde Schmitt mit dem Deutschen Bücherpreis ausgezeichnet.

(© 2004 Amman Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:

Da sitzt ein Philosophiestudent in der Bibliothek an seiner Dissertation und arbeitet an seinen "obskuren Forschungen auf dem Gebiet der mittelalterlichen Linguistik, die niemanden interessieren", nicht einmal ihn selbst. Wie albern kommt ihm dieser Vorgang auf einmal vor, und er verspürt "Haß" auf seine Arbeit. (Welcher ehemalige Student kennt diese Gefühle nicht!) Plötzlich packt ihn eine ungeheure Lust, für einen Moment aus dem seriösen Wissenschaftsbetrieb auszubrechen, etwas Unvernünftiges zu tun, Zeit zu vergeuden, nur zum Spaß.

An den Katalogschränken zieht er eine beliebige Schublade auf und wählt blindlings eine Karteikarte aus. Dieses Buch möchte er jetzt lesen, eine Art literarisches Roulette. Mit der Lektüre beginnt für ihn das größte Abenteuer seines Lebens. Er lernt den ihm bislang unbekannten Gaspard Languenhaert kennen, einen Egoisten, der im 18. Jahrhundert behauptet hat, Materie existiere nicht, alles sei spirituell, die Natur sei nur die Prosa der Wahrnehmungen. Im übrigen sei alles von ihm geschaffen. Von vielen belächelt, fanden diese Gedanken dennoch bald einige Anhänger, so dass Languenhaert eine Schule für Egoisten gründete, in der jeder Teilnehmer sich als sein eigener Gott fühlen durfte.

Auch der Philosophiestudent ist 200 Jahre später von dem Mann und seinen Gedanken fasziniert, eine Sucht überfällt ihn. Es scheint, als habe er auf die Begegnung mit dieser Person gewartet. Er recherchiert in allen großen Bibliotheken Europas, und irgendwann stellt er fest, dass er nicht der einzige ist, der sich mit Gaspard Languenhaert beschäftigt. Die Geschichte holt ihn ein. Fiktion und Realität verschmelzen miteinander. Wir werden entführt ins 18. Jahrhundert und werden Zeitgenossen des kuriosen, exzentrischen Gaspard. Am Schluss ist nicht mehr eindeutig zu sagen, ob der Student dies tatsächlich erlebt hat, ja, wer er eigentlich ist. Schaut man als Leser jetzt noch einmal auf die erste Seite, sticht ein Satz ins Auge, den man zu Beginn einfach überlesen hat: "Ich träume...ich lebe nicht mehr...Ich bin gefangen in einer Scheinwelt ..."

Eric-Emmanuel Schmitt war von 1986 bis 1993 Frankreichs jüngster Lehrbeauftragter für Philosophie an der Universität. Seit Anfang der 90-er Jahre schreibt er Theaterstücke und Prosa, die heute in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt sind. Seine Stücke Der Besucher und Enigma sind in den Spielplänen zahlreicher Theater zu finden, die Erzählungen Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran sowie Oskar und die Dame in Rosa stehen seit mehreren Monaten auf den Bestsellerlisten.

Die Schule der Egoisten ist sein erster Roman, der bereits 1994 entstanden ist, aber erst seit kurzem in deutscher Sprache vorliegt. Im Gegensatz zu den liebenswürdigen, zarten, leichten Parabelerzählungen Oskar und die Dame in Rosa und Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran spürt man bei diesem Buch gelegentlich die Herkunft des Autors. Schmitt übt noch. Der Philosoph drängt sich häufig nach vorne, der, zwar begabte, Erzähler steht noch am Anfang. Das Buch hat nicht die Spannung und Brillanz der beiden folgenden Bände. Es wirkt zu konstruiert, hat kein Geheimnis. In der ersten Hälfte kommt es einem ziemlich verworren vor.

Eingefleischte Schmitt-Fans werden es natürlich lesen. Wem dieser Autor noch fremd ist und wer ihn kennenlernen möchte, sollte mit Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran beginnen.

(© 2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)

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Rund um´s Buch

S e r v i c e

Die Originalausgabe

erschien unter dem Titel
"La secte des Égoistes"
(1994).

Ebenfalls vorgestellt
von
Eric-Emmanuel Schmitt

Enigma

Weitere Bücher
von
Eric-Emmanuel Schmitt

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran (2004)

Oskar und die Dame in Rosa
(2003)

Hotel zu den zwei Weltenl (2001)

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