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Roman/Erzählung

Der Klang der Zeit

Autor: Richard Powers
Aus dem Amerikanischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié

Roman
gebunden mit Schutzumschlag, 765 Seiten
erschienen: Mai 2004
S. Fischer
ISBN:310059021X
Preis: 22,90 Euro

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Klappentext:
Richard Powers, laut Boston Review der größte lebende Romanautor Amerikas, erzählt in Der Klang der Zeit die weit angelegte Geschichte voll Armut und Schönheit über eine Familie mit zwei Hautfarben und einer Leidenschaft: Ein cinematographischer Roman über Amerikas jüngste Vergangenheit, über die Lüge, auf der seine Gegenwart baut, und eine einzigartige Liebeserklärung an die Musik.

(© 2004 S. Fischer Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:

Die sechziger Jahre haben gerade begonnen. Der zwanzigjährige Jonah Stroms hat die Endrunde eines landesweiten Gesangwettbewerbs gewonnen. Mit seiner Stimme will er die Guten retten und die Bösen in den Tod treiben. Wenn der Tenor mit seiner Kolibri-Stimme vor das Publikum tritt, scheinen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verschmelzen. Doch er und seine beiden Geschwister Joey und Ruth sind Mischlinge und die Weltpolitik wird vom Kalten Krieg beherrscht. Die beiden Großmächte starten ihren Wettlauf ins Weltall, Vietnam ist ein ewiger Kriegsbrand und in Washington ist ein junger Präsident ins Weiße Haus eingezogen. Doch in den Vereinigten Staaten herrscht noch immer Rassendiskriminierung und die Stroms sind Aussätzige im eigenen Land.

Ihre Eltern lernen sich am Ostersonntag 1939 kennen. Er, David Strom, ein jüdischer Physiker und Flüchtling aus Europa, und sie, Delia Daley, eine junge schwarze Arzttochter, trafen sich bei einem Freilichtkonzert der schwarzen Opernsängerin Marian Anderson auf den Stufen des Lincoln-Denkmals. Beide verlieben sich in der Menschenmenge und sie gründen eine Familie im Zeichen der Musik. Das junge Paar glaubt an Fortschritt und Vernunft und sie wollen ihre Kinder jenseits von Rasse erziehen, doch bald holt sie die Realität von Lynchmorden und von weißen und schwarzen Nationalisten ein.

Richard Powers, der sich lange nicht entscheiden konnte, ob er Physiker, Programmierer oder Musiker werden sollte, erzählt das Leben dieser gemischtrassigen Familie zur Zeit der Rassenkonflikte von Martin Luther King und Malcolm X. Dabei zieht sich die Geschichte des musikalischen Wunderkindes Jonah, dessen Gesang nicht von dieser Welt ist, wie ein roter Faden durch die knapp 800 Seiten. Angeblich kennt Musik keine Grenzen, doch als er sich mit der klassischen Musik gewissermaßen "weißes Gebiet" erobert, muss auch der begnadete Außenseiter Neid und Hass erleben. "Wozu soll ein schwarzer Junge mit so was seine Zeit vergeuden?" Joey, der sein pianistisches Talent ganz in den Dienst der Karriere seines großen Bruders stellt, fungiert als Erzähler der Familiengeschichte. Die Musik ist für alle Zuflucht vor der Gegenwart, am Ende drohen sie daran zu zerbrechen. Während die beiden Brüder durch die Konzertsäle des Landes tingeln, kommt die Mutter Delia bei einem Hausbrand ums Leben und der Vater David schottet sich immer mehr von der Welt ab. Ihre Schwester wird militante Bürgerrechtlerin bei den Black Panthers.

Eine mehrseitige Zeittafel, die von den deutschen Übersetzern am Ende des Buches hinzugefügt wurde, erleichtert dem Leser die Orientierung in den Ereignissen der amerikanischen Geschichte. Der Roman ist eine einzigartige Liebeserklärung an die Musik, dabei verbindet der Autor epochale Familiensaga und Streifzug durch die Musikgeschichte mit der Geschichte der Juden in Deutschland und der Sozial- und Kulturgeschichte des schwarzen Amerikas. Der Klang der Zeit ist nicht nur eine Hymne auf die verbindende Kraft und den Reichtum der Musik, sondern zugleich eine Meditation über die Zeit. "Natürlich gibt es keine Zeit. Natürlich gibt es nichts als die unveränderliche Veränderung." Und so kommt auch Albert Einstein zu einem "Gastauftritt", um den Beweis anzutreten, dass Musik, Geschichte und Wissenschaft, ja selbst Rasse, dass alles relativ ist. Das Buch ist mit musikalischen und naturwissenschaftlichen Theorien gefüttert und doch hat es einen eigenen musikalischen Sprachklang, ein gewaltiges Halleluja.

(© 2004 Manfred Orlick für all-around-new-books.de)

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Rund um´s Buch

S e r v i c e

Die Originalausgabe
erschien ...

unter dem Titel:
"The Time of Our Singing" (2003)

Ebenfalls besprochen von Richard Powers

Schattenflucht

Weitere Titel von Richard Powers

Galatea 2.2 (TB, 2000)

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S. Fischer Verlag

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