|
Rückentext:
New Crobuzon ist eine düstere Stadt, eine riesige Metropole,
in der Unterdrückung und Gewalt herrschen.
Armada dagegen ist ein Ort der Zuflucht, selbst für jene,
die es als Gefängnis empfinden. Die brillante Linguistin
Bellis Coldwine wird hier von Piraten entführt und auf
eine Reise mitgenommen, wie sie nie zuvor ein Mensch erlebt
hat: Es ist die Suche nach der Insel eines vergessenen Volkes
und nach einem gigantischen Ozeanwesen ...
(©
2004 Bastei Lübbe Verlag)
Buchbesprechung - Rezension:
Der handliche
Roman ist „Eins (sic) der besten Werke der fantastischen
Literatur“, meint der britische Guardian, wenn man der
hinteren Umschlagseite glaubt.
Der Leser wundert sich, wie der „Guardian“ zu
dieser Einschätzung gelangen konnte; schließlich
hätte man dazu das gesamte Buch lesen müssen. An
dieser Aufgabe kann man aber nur scheitern, weil Miéville
so langweilig schreibt, dass man Mühe hat, über
die ersten 100 Seiten hinauszugelangen. Dieser Rezensent hat
es bis Seite 292 geschafft, dann gab er auf. Es passiert einfach
nichts Spannendes, und die erzählten Banalitäten
sind weit davon entfernt, durch detailreiche Schilderung oder
unerwartete Wendungen zum Weiterlesen zu animieren.
Zum
Inhalt
Die Handlung ist in ein größeres Konzept eingebunden,
weshalb sie mit Kapitel 27 beginnt. (Die Kapitel 1 bis 26
können mit den Bänden "Die Falter" und
"Der Weber" erworben werden.) Sie ist die Reise
in und auf einer schwimmenden Stadt, auf der Suche nach dem
gelobten Land und dem eigenen Ich. Es sind Eifersüchteleien,
Machtkämpfe verschiedener gesellschaftlicher Gruppen
und interethnische Beziehungen aneinandergereiht, ohne dass
ein stimmiges Bild entstünde.
Einzelne
Begebenheiten sind mit einer deutlichen Liebe zum unstimmigen
Detail aufgepeppt, auf dass der Umfang wachse. Oft greifen
Autor oder Übersetzerin bei der Suche nach gehaltvollen
Worten zu unverstanden-schwülstigen archaischen Ausdrücken,
die gehäuft nur noch manieriert wirken. Jedenfalls wäre
es Aufgabe des Verlags gewesen, hier einzugreifen. Beispiele
sind „dienstbare Schiffe“ und „Remorqueure“
(beide S. 85) oder „Lazeration“ (vielleicht für
engl. „laceration“, S. 151).
Terminologische
Erfindungen wie „Kapitalen“ (= Hauptstädte)
anstelle von „Versalien“ (= Großbuchstaben,
S. 122) sind jedoch eindeutig der Übersetzung zuzurechnen.
Sachfehler, besonders im nautischen Bereich, belegen die mangelnde
Eignung des Autors für seine selbstgewählte maritime
Rahmenhandlung. So, wenn schwierige Taucherarbeiten bei 1½
Knoten Fahrt der schwimmenden Stadt durchgeführt werden
(S. 85) oder eine Seeschlacht mit dem Niveau eines Comics
beschrieben wird (S. 177 ff.), der keine Rücksicht auf
Taktik, Leistungsdaten oder Entwicklung nehmen braucht.
Zusammenhanglose Absätze wie dieser
(S. 106): „Bis Gerbers Lider hochschnellen (er wusste
nicht, dass er die Augen geschlossen hatte).“ hätten
rücksichtlos gestrichen gehört.
Der Umschlag ist von Arndt Drechsler
düster-erotisierend gestaltet, leider bietet der Inhalt
in dieser Richtung nur solches (S. 67):
„Worte flatterten aus kehliger Tiefe ins Falsett, brachen,
verhauchten. Wimmern, flehend, geil. Laute sexueller Nähe,
des Schmerzes und anderer intensiver Emotionen.
... Ja, o ja ... gleich ... mach´s mir ... und jetzt
... schneide tief ... ja, ja ...“
Verglichen damit wären Dialoge aus den Schulmädchen-Report-Filmen
Hochliteratur.
Zum
Buch
Das Buch ist taschenbuchüblich verarbeitet und dürfte
wiederholte Lektüreversuche unbeschadeter als der Leser
überstehen. Insgesamt eine durch das Lektorat vertane
Chance, ein potentiell interessantes Konzept lesefreundlich
zu präsentieren. Ärgerlich.
(©
2004 Michael Titz für all-around-new-books.de)
******************************************************************************
Sie
haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben?
Dann bitte hier
entlang ...
|