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Science Fiction/Fantasy

Leviathan

Autor: China Miéville
Ins Deutsche übertragen von Eva Bauche-Eppers

Taschenbuch, 476 Seiten
erschienen: März 2004
Bastei Lübbe
ISBN: 3-404-24322-6
Preis: 8,90 Euro

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Rückentext:
New Crobuzon ist eine düstere Stadt, eine riesige Metropole, in der Unterdrückung und Gewalt herrschen.
Armada dagegen ist ein Ort der Zuflucht, selbst für jene, die es als Gefängnis empfinden. Die brillante Linguistin Bellis Coldwine wird hier von Piraten entführt und auf eine Reise mitgenommen, wie sie nie zuvor ein Mensch erlebt hat: Es ist die Suche nach der Insel eines vergessenen Volkes und nach einem gigantischen Ozeanwesen ...

(© 2004 Bastei Lübbe Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:
Der handliche Roman ist „Eins (sic) der besten Werke der fantastischen Literatur“, meint der britische Guardian, wenn man der hinteren Umschlagseite glaubt.
Der Leser wundert sich, wie der „Guardian“ zu dieser Einschätzung gelangen konnte; schließlich hätte man dazu das gesamte Buch lesen müssen. An dieser Aufgabe kann man aber nur scheitern, weil Miéville so langweilig schreibt, dass man Mühe hat, über die ersten 100 Seiten hinauszugelangen. Dieser Rezensent hat es bis Seite 292 geschafft, dann gab er auf. Es passiert einfach nichts Spannendes, und die erzählten Banalitäten sind weit davon entfernt, durch detailreiche Schilderung oder unerwartete Wendungen zum Weiterlesen zu animieren.

Zum Inhalt
Die Handlung ist in ein größeres Konzept eingebunden, weshalb sie mit Kapitel 27 beginnt. (Die Kapitel 1 bis 26 können mit den Bänden "Die Falter" und "Der Weber" erworben werden.) Sie ist die Reise in und auf einer schwimmenden Stadt, auf der Suche nach dem gelobten Land und dem eigenen Ich. Es sind Eifersüchteleien, Machtkämpfe verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und interethnische Beziehungen aneinandergereiht, ohne dass ein stimmiges Bild entstünde.

Einzelne Begebenheiten sind mit einer deutlichen Liebe zum unstimmigen Detail aufgepeppt, auf dass der Umfang wachse. Oft greifen Autor oder Übersetzerin bei der Suche nach gehaltvollen Worten zu unverstanden-schwülstigen archaischen Ausdrücken, die gehäuft nur noch manieriert wirken. Jedenfalls wäre es Aufgabe des Verlags gewesen, hier einzugreifen. Beispiele sind „dienstbare Schiffe“ und „Remorqueure“ (beide S. 85) oder „Lazeration“ (vielleicht für engl. „laceration“, S. 151).

Terminologische Erfindungen wie „Kapitalen“ (= Hauptstädte) anstelle von „Versalien“ (= Großbuchstaben, S. 122) sind jedoch eindeutig der Übersetzung zuzurechnen. Sachfehler, besonders im nautischen Bereich, belegen die mangelnde Eignung des Autors für seine selbstgewählte maritime Rahmenhandlung. So, wenn schwierige Taucherarbeiten bei 1½ Knoten Fahrt der schwimmenden Stadt durchgeführt werden (S. 85) oder eine Seeschlacht mit dem Niveau eines Comics beschrieben wird (S. 177 ff.), der keine Rücksicht auf Taktik, Leistungsdaten oder Entwicklung nehmen braucht.

Zusammenhanglose Absätze wie dieser (S. 106): „Bis Gerbers Lider hochschnellen (er wusste nicht, dass er die Augen geschlossen hatte).“ hätten rücksichtlos gestrichen gehört.

Der Umschlag ist von Arndt Drechsler düster-erotisierend gestaltet, leider bietet der Inhalt in dieser Richtung nur solches (S. 67):
„Worte flatterten aus kehliger Tiefe ins Falsett, brachen, verhauchten. Wimmern, flehend, geil. Laute sexueller Nähe, des Schmerzes und anderer intensiver Emotionen.
... Ja, o ja ... gleich ... mach´s mir ... und jetzt ... schneide tief ... ja, ja ...“
Verglichen damit wären Dialoge aus den Schulmädchen-Report-Filmen Hochliteratur.

Zum Buch
Das Buch ist taschenbuchüblich verarbeitet und dürfte wiederholte Lektüreversuche unbeschadeter als der Leser überstehen. Insgesamt eine durch das Lektorat vertane Chance, ein potentiell interessantes Konzept lesefreundlich zu präsentieren. Ärgerlich.

(© 2004 Michael Titz für all-around-new-books.de)

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