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Sonstiges

Aber der Narr will nicht
Essais

Autor: Christoph Hein

gebunden mit Schutzumschlag, 183 Seiten
erschienen: März 2004
Suhrkamp
ISBN: 3-518-41597-2
Preis: 19,90 Euro

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Klappentext:
Dieser Band versammelt Aufsätze, Reden und Essais von Christoph Hein seit Beginn der neunziger Jahre. Der Autor, ausgewiesen als scharfsinniger Kritiker der Verhältnisse in der DDR, deren Untergang er, lange bevor dieser Realität wurde, literarisch mindestens "elfmal beschrieben hat", richtet seinen unbestechlichen Blick nun auf die Verhältnisse im vereinigten Deutschland, auf die Fluchtpunkte des Rechtsstaats und auf dessen Begriffe von Freiheit und Sicherheit.

Dass etwa in einem konkreten Fall ein Agenturfoto vom Besuch des amerikanischen Präsidenten in Deutschland zur Veröffentlichung retuschiert wurde und nunmehr statt eines kritischen Plakats ins Bild montierte Gesichter zu sehen sind, erinnert Hein an alte Erfahrungen. Er reagiert darauf mit einem bitterbösen Plädoyer für den Stalinpreis. Immer wieder thematisiert Hein Ausländerfeindlichkeit und Migrationsprobleme. Ein langer Aufsatz ist dem Werk Arno Schmidts gewidmet, ein anderer den "unabdingbaren Voraussetzungen beim Kleist-Lesen". Kürzere Texte gelten den Lieblingsautoren und Freunden wie Hans Mayer, Thomas Brasch, Benno Besson, Heiner Müller und Siegfried Unseld. Hein fragt nach der Rolle des Intellektuellen in der modernen Welt, nach der moralischen Verpflichtung des Künstlers, durchaus auch in der Sphäre des Politischen, und er preist den "lebenswichtigen Nutzen der Kirschblüte".

(© 2004 Suhrkamp Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:
Dass der 60-jährige Christoph Hein zu den besten deutschen Erzählern gehört, hat er erst kürzlich wieder mit seinem Roman Landnahme bewiesen, der - aus meiner Sicht - sein Meisterwerk darstellt. Dass Christoph Hein auch ein begnadeter Essay- und Redenschreiber ist, erfährt man bei der äußerst spannenden Lektüre dieses Sammelbandes. Hein ist ein kluger, umsichtiger Beobachter der Gesellschaft mit einem überdurchschnittlichen Blick für Gerechtigkeit. Er macht sich Gedanken über die Ursache der zunehmenden Ausländerfeindlichkeit, über das Wachsen des Abstands von Armen und Reichen, über die geistige Verflachung unserer Eliten, die Verbreitung der Spaßgesellschaft auf allen Ebenen, die Anpassung von Journalisten an Marktmechanismen und das damit verbundene Aufgeben ihrer Unabhängigkeit sowie das Verschwinden der Privatheit im öffentlichen Leben.

Für mich ist Hein am stärksten in seinen Aufsätzen und Reden über seine intellektuellen Vorbilder, Lehrer, Freunde: Arno Schmidt, Hans Mayer, Adolf Dresen, die großen Respekt, Hochachtung, Bewunderung und Liebe zum Ausdruck bringen. Am dichtesten ist ihm dies gelungen in der Rede zur Gedenkfeier für Siegfried Unseld, die vielleicht nur der richtig verstehen und nachvollziehen kann, der selbst einen nahestehenden Menschen verloren hat.

Christoph Hein ist ein erfolgreicher, kluger und toleranter Mann (der allerdings keine Toleranz kennt bei Ungerechtigkeit und Dummheit), der sich erstaunlich bescheiden und zurückhaltend gibt. Er hat ein Sprachvermögen, von dem die meisten unserer Nachwuchsautoren unter 40 nur träumen können. Er ist mutig, Entwicklungen und Verhaltensweisen zu kritisieren, die er für ungerecht hält und Menschen zu loben, die er schätzt und bewundert (Faszinierend seine Beschreibung der 100-jährigen Geschichte des Insel-Verlags.). Dabei wird er niemals besserwisserisch, moralisch oder arrogant.

Jede Zeile, die Christoph Hein schreibt, ist Literatur und zwar von der feinsten Art. Seine niveauvolle Sprache ist nie selbstgefällig, nie zynisch aber durchaus humorvoll, was auch in dem Roman Landnahme deutlich wird.

Was liest man nicht jeden Tag an Buchstaben- und Wortmüll von Zeitgenossen - Autoren und Journalisten. Wer diesen Essay-Band von Christoph Hein liest, hat in diesen Stunden das Gefühl, nicht umsonst zu leben (um ein Zitat von Martin Walser aus dem Buch zu bemühen).

(© 2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)

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