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Klappentext:
Dieser Band versammelt
Aufsätze, Reden und Essais von Christoph Hein seit Beginn
der neunziger Jahre. Der Autor, ausgewiesen als scharfsinniger
Kritiker der Verhältnisse in der DDR, deren Untergang
er, lange bevor dieser Realität wurde, literarisch mindestens
"elfmal beschrieben hat", richtet seinen unbestechlichen
Blick nun auf die Verhältnisse im vereinigten Deutschland,
auf die Fluchtpunkte des Rechtsstaats und auf dessen Begriffe
von Freiheit und Sicherheit.
Dass etwa in einem konkreten
Fall ein Agenturfoto vom Besuch des amerikanischen Präsidenten
in Deutschland zur Veröffentlichung retuschiert wurde
und nunmehr statt eines kritischen Plakats ins Bild montierte
Gesichter zu sehen sind, erinnert Hein an alte Erfahrungen.
Er reagiert darauf mit einem bitterbösen Plädoyer
für den Stalinpreis. Immer wieder thematisiert Hein Ausländerfeindlichkeit
und Migrationsprobleme. Ein langer Aufsatz ist dem Werk Arno
Schmidts gewidmet, ein anderer den "unabdingbaren Voraussetzungen
beim Kleist-Lesen". Kürzere Texte gelten den Lieblingsautoren
und Freunden wie Hans Mayer, Thomas Brasch, Benno Besson,
Heiner Müller und Siegfried Unseld. Hein fragt nach der
Rolle des Intellektuellen in der modernen Welt, nach der moralischen
Verpflichtung des Künstlers, durchaus auch in der Sphäre
des Politischen, und er preist den "lebenswichtigen Nutzen
der Kirschblüte".
(©
2004 Suhrkamp Verlag)
Buchbesprechung - Rezension:
Dass der 60-jährige Christoph Hein zu den besten deutschen
Erzählern gehört, hat er erst kürzlich wieder
mit seinem Roman Landnahme
bewiesen, der - aus meiner Sicht - sein Meisterwerk darstellt.
Dass Christoph Hein auch ein begnadeter Essay- und Redenschreiber
ist, erfährt man bei der äußerst spannenden
Lektüre dieses Sammelbandes. Hein ist ein kluger, umsichtiger
Beobachter der Gesellschaft mit einem überdurchschnittlichen
Blick für Gerechtigkeit. Er macht sich Gedanken über
die Ursache der zunehmenden Ausländerfeindlichkeit, über
das Wachsen des Abstands von Armen und Reichen, über
die geistige Verflachung unserer Eliten, die Verbreitung der
Spaßgesellschaft auf allen Ebenen, die Anpassung von
Journalisten an Marktmechanismen und das damit verbundene
Aufgeben ihrer Unabhängigkeit sowie das Verschwinden
der Privatheit im öffentlichen Leben.
Für
mich ist Hein am stärksten in seinen Aufsätzen und
Reden über seine intellektuellen Vorbilder, Lehrer, Freunde:
Arno Schmidt, Hans Mayer, Adolf Dresen, die großen Respekt,
Hochachtung, Bewunderung und Liebe zum Ausdruck bringen. Am
dichtesten ist ihm dies gelungen in der Rede zur Gedenkfeier
für Siegfried Unseld, die vielleicht nur der richtig
verstehen und nachvollziehen kann, der selbst einen nahestehenden
Menschen verloren hat.
Christoph
Hein ist ein erfolgreicher, kluger und toleranter Mann (der
allerdings keine Toleranz kennt bei Ungerechtigkeit und Dummheit),
der sich erstaunlich bescheiden und zurückhaltend gibt.
Er hat ein Sprachvermögen, von dem die meisten unserer
Nachwuchsautoren unter 40 nur träumen können. Er
ist mutig, Entwicklungen und Verhaltensweisen zu kritisieren,
die er für ungerecht hält und Menschen zu loben,
die er schätzt und bewundert (Faszinierend seine Beschreibung
der 100-jährigen Geschichte des Insel-Verlags.). Dabei
wird er niemals besserwisserisch, moralisch oder arrogant.
Jede
Zeile, die Christoph Hein schreibt, ist Literatur und zwar
von der feinsten Art. Seine niveauvolle Sprache ist nie selbstgefällig,
nie zynisch aber durchaus humorvoll, was auch in dem Roman
Landnahme
deutlich wird.
Was liest man nicht jeden Tag an Buchstaben- und Wortmüll von Zeitgenossen - Autoren und Journalisten. Wer diesen Essay-Band von Christoph Hein liest, hat in diesen Stunden das Gefühl, nicht umsonst zu leben (um ein Zitat von Martin Walser aus dem Buch zu bemühen).
(©
2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)
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