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Klappentext:
Seit über sechs
Jahrzehnten knüpft Friederike Mayröcker in ihren
Gedichten an einem magischen Sprachteppich. Die Sprachfäden
schießen ineinander, entfalten ein so filigranes wie
weit austreibendes Geflecht, das alle Festlegungen überschreitet.
Unermüdlich erprobt die Dichterin die Übersetzbarkeit
von Materie in Sprache, wagt sich immer neu durch unerschlossene
Schichten. Gesehenes, Erlebtes, Erfundenes, im Geiste Erlebtes
und Geträumtes - alles findet Eingang ins Textgewebe.
Wortneuschöpfungen stehen neben Fremdzitaten und Selbstverfremdungen,
Spuren ihrer Auseinandersetzung mit Werken von Schriftsteller-Kollegen
neben solchen ihres Umgangs mit Malerei und Musik - in allem
spricht sich eine ungestüme Wahrnehmungskraft aus, ein
Abtasten der Welt, das nichts ausschließt, aufs Ganze
geht.
Der zum 80. Geburtstag der Autorin von Marcel Beyer herausgegebene
Band präsentiert neben sämtlichen bislang veröffentlichten
Gedichten (in Buchform oder verstreut publiziert) auch alle
unveröffentlichten Gedichte, die nach Durchsicht der
Manuskripte von der Autorin für »gültig«
befunden wurden, und zwar von 1939, als sie mit dem Schreiben
begann, bis heute.
Zur
Autorin:
Friederike
Mayröcker wurde 1924 in Wien geboren, wo sie heute lebt.
Von 1946 bis 1969 unterrichtete sie Englisch an verschiedenen
Wiener Hauptschulen. Seit 1969 lebt und arbeitet sie als freie
Schriftstellerin. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche
Auszeichnungen.
(©
2004 Suhrkamp Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Im Frühjahr 2005 erfreute der Buchhandel die Gemeinde der Lyrikfreunde gleich mit mehreren Werksausgaben namhafter Lyriker und Lyrikerinnen von Nicolas Born bis Sarah Kirsch. Hier präsentiert nun der Suhrkamp Verlag sein Geburtstagsgeschenk an Friederike Mayröcker zu ihrem 80. Geburtstag.
Der Band Gesammelte Gedichte enthält alle Gedichte aus 65 Jahren, egal ob sie gesammelt in Büchern oder verstreut in Zeitschriften erschienen sind. Das früheste Gedicht stammt aus dem Jahr 1939, das jüngste wurde erst vor knapp zwei Jahren veröffentlicht.
Die österreichische Dichterin, am 20. Dezember 1924 in Wien geboren, hat von jeher in ihrer Poesie auf die Zusammenhänge von Zeit, Ort und Kausalität verzichtet. Ihre Gedichte sind virtuose Montagen von Dialogen, Assoziationen, Reflexionen, Erinnerungsfragmenten, Zitaten und Wortneuschöpfungen, womit immer wieder neue Bezüge hergestellt werden. Hauptthemen sind die Magie der Sprache und die Bildende Kunst. Friederike Mayröcker war 46 Jahre lang die Lebensgefährtin von Ernst Jandl.
Sie waren das Paar der dichterischen Avantgarde, beide auf unverwechselbare Weise genial. Sie beeinflussten einander und gingen trotzdem jeder seinen eigenen Weg. 46 Jahre lang. Obwohl Mayröcker sehr zurückgezogen lebte, hat sie das Draußen stets in ihre Gedichte aufgenommen, besonders die letzten Verse sind sehr welthaltig.
Man weiß nicht, wohin man kommt - man lässt sich tagtäglich neu überraschen, hat Friederike Mayröcker ihr dichterisches Credo einmal beschrieben. Es ist die immer erneute Suche nach einer Zeile, die sie vorantreibt. Wenn ich ein, zwei Tage nicht schreiben kann, bin ich verzweifelt.
Eines der Wunder von Mayröckers Poesie liegt in der Kunst, der Sprache Verblüffendes zu entlocken, was beim Leser immer wieder Erstaunen hervorruft. Bei allem, was Friederike Mayröcker schrieb, war sie stets eine Grenzgängerin zwischen den literarischen Genres, vom Surrealismus über die experimentelle Poesie bis zur typischen Mayröcker-Textmontage. Im Laufe der Schaffensperioden haben sich so unterschiedliche Ausdrucksformen entwickelt.
Friederike Mayröcker ist eine der bedeutendsten modernen Poetinnen. Stets hat sie nach neuen Wegen gesucht, um eine neue Kunst zu versuchen. Ihre Gedichte sind häufig ein innerer Monolog, ja mühevolle und schmerzhafte Selbsterforschung, in der Eindrücke, Gedanken und Erinnerungen aufeinanderstoßen. Dabei hat Mayröcker in mehreren Interviews Biographielosigkeit als Lebenshaltung für sich reklamiert, um ihr literarisches Werk für sich selbst sprechen zu lassen.
In der vorliegenden voluminösen Ausgabe sind die rund 1.000 Gedichte (darunter 100 bislang unpublizierte) in der Chronologie des Entstehens angeordnet. Ein Register im Anhang ermöglicht aber die Einordnung in ihren ursprünglichen Publikationszusammenhang. Ein editorisches Nachwort des Herausgebers und Dichterkollegen Marcel Beyer rundet den wirklich gelungenen Sammelband ab.
(©
2005 Manfred Orlick)
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