Start Auf zur Büchergalerie Top 10 Specials Gewinnen Newsletter Suche
Autoren Ausgezeichnet Buch + Medien Events Marktplatz Forum Kontakt Über uns
Belletristik
Und jetzt als Taschenbuch
Das Buch zum Film/Fernsehen
Audiobook
Kinder und Jugend
Sachbuch/Ratgeber
Business, Karriere, Finanzen & Börse Essen & Trinken Gesundheit, Sport, Wellness & Beauty Naturwissenschaft & Technik PC, Internet & Co. Reisen Religion, Esoterik & Lebenshilfe Wirtschaft, Politik & Zeitgeschichte Wohnen & Lifestyle Sonstiges
Sachbuch/Ratgeber
Sachbuch/Ratgeber
Sachbuch/Ratgeber
Sachbuch/Ratgeber
Sachbuch/Ratgeber
E-Books
Software/Spiele

   
Jetzt bestellen
 

Wirtschaft, Politik & Zeitgeschichte

Generation Reform
Jenseits der blockierten Republik

Autor: Paul Nolte

Paperback, 256 Seiten
erschienen: 2. Aufl., 2004
C. H. Beck
ISBN: 3-406-51089-2
Preis: 12,90 Euro

Hier bestellen:

amazon

 

Inhalt:
Deutschland braucht dringend grundlegende Reformen - doch wohin diese Reformen eigentlich führen sollen, das scheint selbst vielen Politikern nicht recht klar zu sein. Paul Nolte analysiert die Schieflagen und Sackgassen, in die wir in den letzten Jahrzehnten hineingesteuert sind, und plädiert für eine neue Bürgergesellschaft, in der Individualismus, Initiative und Verantwortung nicht im Gegensatz zu einer solidarischen Gemeinschaft stehen. Seine klaren und manchmal provokativen Thesen über die Zumutungen, die wir uns alle in diesem Reformprozess gefallen lassen müssen,
sorgen für Zündstoff in einer scheinbar ausgelaugten Debatte. Gegen die ängstliche Verteidigung von Besitzständen ebenso wie gegen die Leichtigkeit der Spaßgesellschaft artikuliert sich hier die wache intellektuelle Stimme einer Generation Reform.

(© 2004 C. H. Beck Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:

Willkommen im Armenasyl?

Paul Nolte ist 41 Jahre alt und Professor für Geschichte an der International University Bremen.

Das Buch
Generation Reform ist eine Aufsatzsammlung. Die Aufsätze sind in den zurückliegenden drei Jahren erschienen. Man kann jeden Aufsatz für sich lesen.
Die Texte thematisieren alle den heruntergekommenen Zustand Deutschlands. Heruntergekommen? Deutschland?
Jawohl. Und wie!

Nehmen wir nur einen der erbärmlichsten Indikatoren, nehmen wir das Prokopfeinkommen (erbärmlich erstens, weil die Ziffern grausig sind und vor allem, weil dieser Indikator nur ökonomische Tatsachen zeigt, aber die Wurzeln, aus denen die Zahlen resultieren, also die geistigen und kulturellen Ursachen, negiert):
2003 lag das deutsche Prokopfeinkommen unter dem europäischen Durchschnitt. Tendenz fallend.

2003 war es ein Prozent Differenz.
2003 sind lediglich vier der 15 EU-Mitglieder ärmer als Deutschland.
Vielleicht darum 2004 die Osterweiterung mit Ländern, in die Deutschland als Nettozahler der EU reichlich Subventionen rauschen lässt?
Das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung lässt wissen: "Wenn es so weitergeht, sind wir in 10 Jahren auf dem Stand von Portugal angekommen."

Viel Vergnügen übrigens, falls wirklich die Türkei in die EU aufgenommen wird: weitere 14 Milliarden Euro, die Deutschland dann pro Jahr auswirft, und man vergesse nicht die zu erwartenden zusätzlichen Sozialhilfeempfänger.

1976 zog Bundeskanzler Helmut Schmidt, der letzte, der noch was von Wirtschaft verstand, mit dem Slogan "Modell Deutschland" in den Bundestagswahlkampf. Die wirtschaftlichen Kennzahlen zeigten damals in der Tat für Deutschland weltweit einen Spitzenplatz.
Allerdings, die Fundamente des wirtschaftlichen Riesen Deutschland wurden schon emsig unterminiert und benagt.

Deutschland leidet an einer Geistesstörung
Maßstäbe wurden in den Dreck gezogen. Maßstäbe, Werte indes, auf denen eben gerade die wirtschaftlichen Kennzahlen basierten. Fragen Sie mal einen beliebigen Sportler, ob die geistige Einstellung wichtig ist.

Geistige Einstellungen - nennen Sie sie Maßstäbe, mindset, Beliefs, Ethos, Orientierung, Werte, ganz wie Sie wollen - wie etwa Leistung wurden verächtlich gemacht. Hochkultur wurde relativiert, ja gänzlich in Frage gestellt. Dennoch gibt es nun einmal eben eine Hierarchie der Werte. Dass Johann Sebastian Bach Teil der Musikkultur ist und die Ameise Teil einer Ameisenkultur, gibt einer Ameise längst nicht den gleichen Wert wie Bach.

Beispiele gefällig für die Perversion (Umdrehung, Verdrehung) der Werte? Hier ein paar wenige:
Ein Juraprofessor 1976 in Erlangen: "Es geht darum, die 10 Gebote zu relativieren".
Ein Geheul erhob sich in den 70-ern, als in Frankreich Eliteschulen für Hochbegabte gegründet wurden und vernünftige Politiker dies auch für Deutschland anregten. Haufenweise landeten Hochbegabte, die sich im normalen Unterricht zu Tode langweilten, in Sonderschulen.
Das Abitur wurde entwertet, weil die Anforderungen gesenkt wurden.

Hochkultur wurde verächtlich gemacht zugunsten eines schrankenlosen Relativismus. Analog zur chinesischen Kulturrevolution unter Mao begann 1968 eine Kulturrevolution, deren traurige Produkte heute die Figuren der Macht sind. Schönes Beispiel: die sogenannte Bildungsministerin Doris Ahnen von Rheinland-Pfalz, die im August 2004 nach dem Befreiungsschlag von FAZ, Spiegel, Springer Verlag und Süddeutscher Zeitung für den offenkundigen Schwachsinn der sogenannten Rechtsschreibreform ist.
Mit einem Wort: Wenn Deutschland schon "Bildungsminister" hat, die offensichtlich kein Sprachgefühl haben, was sollen wir dann mittelfristig in der Wirtschaft erwarten? Welche Drachensaat ist da gelegt?

Oder wie wäre es mit der PISA-Studie als Indikator? Soll heute ein Betrieb von Lehrlingen (Das Wort "Auszubildender", abgekürzt "Azubi", degradiert den individuellen Menschen zu einem passiven Objekt.) nicht mehr die Beherrschung der deutschen Sprache in Schrift und Wort, der Arithmetik und eine gewisse Allgemeinbildung erwarten dürfen?

"Ist erst das Reich der Vorstellungen revolutioniert, so hält die Wirklichkeit nicht aus." (Hegel)

Vor 90 Jahren, 1914, erschoss ein reicher Privatbankier in einem Berliner Luxushotel nach einem letzten Festmahl seine Familie und sich. Er hatte im Frühling 1914 einem Klienten geraten, in englische Pfund zu investieren. Durch den Kriegsausbruch war das eine miserable Investition. Das ging dem Privatbankier an die Ehre. Obwohl er unschuldig war an dem misslungenen Geschäft, wollte er nicht weiterleben als jemand, der einem Kunden schlechte Geschäfte empfohlen hatte.

2004 erlebten wir in Deutschland einen Wirtschaftsdarsteller, der wegen Untreue vor Gericht stand und sich zu seinem Vorteil knapp innerhalb des Gesetzes zu bewegen wusste. Und wie er sich verhielt. Wie stilvoll, wie kultiviert!

Der wirtschaftliche Verfall Deutschlands ist nur Symptom für einen fundamentalen Wandlungsprozess, einen tieferen Niedergang, den der Werte.
Zitat: "Gleichzeitig befinden sich viele westeuropäische Gesellschaften, und zumal die der Bundesrepublik Deutschland, in einer tiefen Krise, die in einer Krise von Institutionen - der Sozialversicherung, des Föderalismus und so weiter - längst nicht aufgeht, sondern sich auch als Krise von Ethiken, von Maßstäben und Orientierungen des Zusammenlebens manifestiert."

Wir sind das Volk
Läge Deutschland in Südamerika, so hätten wir schon eine Revolution. So bewegen wir uns erst auf prärevolutionäre Zustände hin. Erinnert sei an Arnulf Barings Aufruf vom Herbst 2002: "Bürger auf die Barrikaden".
Schön, 2004 wieder Rufe zu hören: "Wir sind das Volk.".

Stanislaw Jerzy Lec stellte die Frage: "Autovertreter verkaufen Autos. Waschmaschinenvertreter verkaufen Waschmaschinen. Volksvertreter?" Wachen jetzt die helleren Köpfe der Dreißig- bis Vierzigjährigen auf?

Das Buch von Paul Nolte gehört zum selben Genre wie der Bestseller Deutschland. Der Abstieg eines Superstars von Gabor Steingart. Generation Reform ist von einem Professor verfasst und vielleicht daher nicht so flüssig zu lesen.
Im Gegensatz zu Steingart benennt Nolte die tieferen, die eigentlichen Ursachen der Misere. Es ist eben der Verlust an Maßstäben, Orientierungen und Werten.
Nolte beklagt das Verschwinden des Konservatismus in Deutschland. Mit Verve betont er die Bedeutsamkeit von Werten, von Konzepten, die von den 68-ern systematisch verunglimpft worden sind.
Seite 201: "Nur das rechte politische Denken scheint eigenartig sang- und klanglos von der politischen Bühne ebenso wie von der des intellektuellen Diskurses verschwunden zu sein. Man muss schon wieder daran erinnern, dass es diesseits von NPD, DVU und Republikanern eine rechte "Normalgesinnung", einen Normalkonservatismus gibt - oder gab? - dessen Ausfall eine historische Zäsur bedeuten würde."

Oft hätte Nolte prägnanter formulieren können. Vielleicht musste er Rücksicht nehmen auf die Seilschaften der 68-er, die ja auch an den Unis ihre Schäfchen und ihre Pensionsansprüche ins Trockene gebracht haben.

Übrigens, ein Mittdreißiger, der seit Jahren in die Arbeitslosenversicherung einzahlen muss und dies bis 50 nolens volens weiter macht um dann, wenn er Pech hat, mit 50 arbeitslos zu werden, ist binnen einiger Monate auf dem Stand eines Sozialhilfeempfängers, der noch nie in seinem Leben einen Cent oder Pfennig in irgendeine öffentliche Kasse eingezahlt hat.

Weltweit zuerst hat bekanntlich das Deutsche Reich mit Kanzler Bismarck die Sozialversicherung geschaffen. Gottseidank kann er zu den heutigen Zuständen keinen Kommentar abgeben.

(© 2004 Holger Roehlig für all-around-new-books.de)

******************************************************************************
Sie haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben? Dann bitte hier entlang ...


Copyright ©  all-around-new-books.de 
Alle Rechte vorbehalten. Impressum - E-Mail - Haftungsausschluss
Design und Realisierung: onlineAgentur.de GmbH

 



Alle vorgestellten
Bücher in der Galerie:
sortiert nach Autor
sortiert nach Titel


Rund um´s Buch

S e r v i c e

Weitere Bücher von Paul Nolte:

Die Ordnung der deutschen Gesellschaft (HC, 2000)

Perspektiven der Gesellschafts-
geschichten
(TB, 2000)

Weitere Lesetipps 

Politik ohne Werte?
von Henrik Bischof

Schwarzbuch Kapitalismus
von Robert Kurz

Wie man eine Volkswirtschaft ruinieren kann
von Jürgen Eick

Deutschlandreise
von Roger Willemsen