|
Inhalt:
Binnen weniger Tage wurde Against All Enemies zu einem hochbrisanten Politikum, über das die Medien weltweit berichteten. Der Bestseller ist das Gesprächsthema Nummer eins, meldete "Spiegel online" am 26. März 2004 aus Washington. Was macht
die Schlagkraft dieses Buches aus? Die Bush-Administration hat die Gelegenheit verpasst, Al Qaida zu zerschlagen, schreibt Richard A. Clarke. Sie habe alle Warnungen vor Al Qaida ignoriert, in einem unnötigen Krieg gegen Irak wertvolle Zeit verloren und
dem Terrorismus Gelegenheit gegeben, sich neu zu organisieren.
Wie kein anderer ist Clarke berechtigt, ein solches Urteil zu fällen.
Niemand in den USA weiß mehr über Bin Laden und Al Qaida als er, der dem Kampf gegen den Terrorismus über zwei Jahrzehnte seines Berufslebens gewidmet hat. Er war unter Clinton und Bush Cheforganisator der amerikanischen Anti-Terror-Politik und leitete
in den entscheidenden Stunden nach den Anschlägen auf die Twin Towers den Krisenstab im Weißen Haus. Er kennt die Geschichte des amerikanischen Kampfes gegen den Terror aus eigenem
Erleben als ein Protagonist des Geschehens, und so liest sich
sein Bericht, der sich auf die Entwicklungen vom ersten Golfkrieg
bis zu "Bushs Vietnam" im Irak konzentriert, wie
ein autobiografischer Thriller.
(©
2004 Hoffmann & Campe Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Der Autor
Richard Clarke wurde 1951 geboren. Er diente vier amerikanischen
Präsidenten als Sicherheitsberater: Ronald Reagan, George
H. W. Bush, Bill Clinton und George W. Bush. Von 1973 bis
2003 war er mit Aufklärung und Terrorabwehr beauftragt.
Im Januar 2003 trat er zurück, um an seinem Buch Against
All Enemies zu arbeiten.
Das
Buch
Ein Insider berichtet.
Um
die Jahrtausendwende hatte sich Sicherheitsberater Richard
A. Clarke eingezoomt auf al-Qaida. Er wollte sie jagen. Vergeblich
warb er um Unterstützung. Vergeblich erklärte er
den Führungsgrößen des FBI:
“Al-Qaida ist eine weltweit operierende politische
Verschwörung, die sich als religiöse Sekte tarnt.
[...] Ihr Ziel ist eine Theokratie im Stil des 14. Jahrhunderts,
in der Frauen keine Rechte haben, alle Menschen zwangsweise
zu Muslimen werden und die Rechtsordnung der Scharia eingesetzt
wird [...] Al-Qaida nutzt auch ein globales Bankennetz und
Finanzssystem, um seine Aktivitäten zu finanzieren. Diese
Leute sind klug, viele von ihnen wurden an unseren Universitäten
ausgebildet, und sie planen sehr langfristig. Sie gehen davon
aus, dass es ein Jahrhundert dauern kann, bis ihre Ziele erreicht
sind, und eines ihrer Ziele ist die Zerstörung der Vereinigten
Staaten von Amerika.“
Clarke kritisiert die Bush-Administration dafür, in der
langen Zeit vor den Anschlägen des 11. September trotz
aller Warnungen untätig geblieben zu sein. Dafür
nennt er konkrete Beispiele: „Am 4. September
2001 fand endlich die Chefbesprechung zu Al-Qaida statt, um
die ich am 25. Januar „dringend“ gebeten hatte.“
Er kritisiert den Irak-Krieg der Bush Regierung als kontraproduktiv.
Dringend wichtige Maßnahmen - wie zum Beispiel der Ausbau
des Heimatschutzes - unterblieben, während ein ungerechtfertigter
Krieg gegen ein Land vom Zaun gebrochen wurde, das mit Al-Qaida
nichts zu tun hatte: "Die Entscheidung aber, den
Irak fast im Alleingang anzugreifen, war kostspielig und falsch."
Wir
erfahren im Vergleich zwischen Bill Clinton und George W.
Bush, wie letztgenannter die Ressourcen seines Verstandes
nutzt:
"... er suchte immer nach einfachen Lösungen,
wollte ein Problem immer in knackigen Schlagworten umschreiben.
Sobald er die passende Parole hatte, konnte er seine ganze
Tatkraft darauf verwenden, dieses Ziel zu erreichen ...
Ich bezweifle, dass irgend jemand ihm jemals hätte erklären
können, dass ein Angriff auf den Irak in Wirklichkeit
Amerika unsicherer machen und die extremistische islamische
Bewegung stärken würde ...
Wir und unsere Wertvorstellungen müssen eine größere
Anziehungskraft auf Muslime ausüben als Al Qaida mit
ihrer extremistischen Ideologie. Zur Zeit wächst die
Unterstützung für sie und vergleichbare Gruppierungen
von Marokko bis Indonesien.
Wenn dieser Trend anhält, werden die radikalen Imame
und ihre Koranschulen weit mehr Terroristen hervorbringen,
als wir ins Gefängnis stecken oder erschießen können.
(Das erkannte selbst Donald Rumsfeld im Jahr 2003 endlich,
wie aus einem durchgesickerten internen Memorandum hervorgeht,
das ein weit düstereres Bild vom Krieg gegen den Terrorismus
zeichnet als seine öffentlichen Äüßerungen.)"
Nebenbei bemerkt
ist im London des Jahres 2004 bei der islamischen Bevölkerung
der beliebteste männliche Name für Neugeborene „Osama“.
Bewertung
Against All Enemies ist lesenswert. Und es ist verstörend.
Es ist unglaublich, welche Fäkalsprache in den hohen
Rängen der US-Administration verwendet wird. Es ist unglaublich,
welche Geisteszwerge es zu hohen Posten in der US-Regierung
bringen:
„Einer meiner Mitarbeiter und ich trafen uns zu
Beginn von [Justizminister] Ashcrofts Amtszeit mit ihm. [...]
Auf der Fahrt zurück zum Weißen Haus fragte mich
mein Kollege: “Er kann doch nicht wirklich so schwer
von Begriff sein, oder? Mann kann doch nicht Justizminister
der Vereinigten Staaten werden, wenn man so ist?“ Ich
war mir nicht sicher. „Ich weiß nicht“,
sagte ich.“
Es
ist gut geschrieben und spannend. Es enthält reichlich
Anekdoten und Fallbeispiele, die eben nur jemand aus dem inneren
Kreis kennen kann. Es bestätigt Befürchtungen. Befürchtungen,
von denen man dachte, so schlimm könne es doch nicht
sein.
Richard A. Clarke führt weiter aus: "Außerdem
gab es vor allem bei Präsident Bush das Bedürfnis,
als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September "eine
Großtat" zu vollbringen."
"Es war, als hätte Usama Bin Laden, versteckt in
irgendeinem Unterschlupf im Gebirge, aus der Ferne Bushs Entscheidungen
gesteuert und ihm eingeflüstert: "Marschiere im
Irak ein, George, du musst im Irak einmarschieren."
Man
kann Clarke nur gratulieren, dass er sich rechtzeitig aus
diesem Marionetten- und Selbstdarstellungstheater verabschiedet
hat und seine "Erfahrungen" publik macht. Leider
muss der Rest der Welt dieses amerikanische Regierungsdesaster
mit all seinen wirren Taten und verheerenden Folgen weiterhin
ertragen - zumindest bis zur nächsten Präsidentschaftswahl
...
(©
2004 Holger Roehlig für all-around-new-books.de)
******************************************************************************
Sie
haben das Buch gelesen und wollen einen Kommentar abgeben?
Dann bitte hier
entlang ...
|