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Rückentext:
Der Kuß des Kohaku, Die Töchter von Taubenhain, Die Planung des Planes. Zwei Stücke und ein Monolog.
"Ein Theaterstück ist kein Theater, sondern ein Stück Leben."
Peter Stamm
Zum
Autor:
Peter
Stamm, geb. 1963. Nach einer kaufmännischen Lehre einige
Jahre Studium der Anglistik, Psychologie, Wirtschaftsinformatik
und Psychopathologie in Zürich. Seit 1990 freier Autor
und Journalist. Längere Aufenthalte in Paris, New York
und Skandinavien. Schreibt u. a. für die »Neue
Züricher Zeitung«, die »Weltwoche«
und das Magazin des »Tages-Anzeiger«.
Verfaßte für den »Nebelspalter« 1993-98
rund 300 Texte (Satiren, Parodien, Film- und Theaterkritiken).
Mehrere Hörspiele (DRS, Radio Bremen, WDR u. a.), ein
Theaterstück, Beiträge für verschiedene Bücher.
Seit 1997 Redakteur der Literaturzeitschrift »Entwürfe
für Literatur«. Lebt in Winterthur.
(©
2004 Arche Verlag)
Buchbesprechung
- Rezension:
Nur noch äußerst
selten bringen Verlage heutzutage die Stücke ihrer Autoren
als Buchausgabe heraus, wenn diese nicht gerade Botho Strauß,
Peter Handke, Eric-Emmanuel Schmitt oder Elfriede Jelinek
heißen. Um so überraschender ist es daher, dass
der Arche Verlag die ersten zwei Stücke seines als Dramatiker
bislang noch unbekannten Schweizer Autors Peter Stamm als
Buch präsentiert.
Peter
Stamm debütierte 1998 mit dem sprachlich herausragenden,
zarten Roman Agnes. Sowohl sein Erstlingswerk als
auch der ein Jahr später folgende Erzählungsband
Blitzeis
wurden von Presse und Lesern wegen der außergewöhnlichen
Sprachgewalt des Autors zu Recht hoch gelobt.
"Schon
seit längerem hat der Prosaautor Peter Stamm das Theater
als eine sehr aktuelle Kunstform entdeckt. Mit diesen Stücken
gehört er endgültig in die Reihe der vielversprechenden
Theaterautoren der Gegenwart." Mit diesen Sätzen
wird das Buch vom Verlag angepriesen. Und: "Es lohnt
sich, diese Stücke zu lesen und fürs Leben daraus
zu lernen." - Na ja, vielleicht geht's auch eine
Nummer kleiner; hier ist wohl die Phantasie mit den Werbeleuten
im Verlag ein wenig durchgegangen. Während ich Agnes
und Blitzeis
auch für zwei brillante Prosatexte halte, muss ich leider
sagen, dass die drei hier versammelten Theatertexte (zwei
Stücke, ein Monolog) ziemlich belanglos sind. Bevor wir
daraus "fürs Leben lernen", muss der Autor
noch einiges übers Dialogeschreiben, über Dramaturgie
und Figurengestalten lernen. Es sind Stücke ohne Handlung
und dramatische Spannung, zwar in einer gehobenen literarischen
Sprache, jedoch kaum Dialoge, also gesprochene Sprache.
In
Der Kuß des Kohaku kommen zwei Paare in der
alten Villa, die Michael kürzlich geerbt hat, zusammen.
Michaels Freundin Sandra hatte vorher ein Verhältnis
mit Günter, der jetzt vorübergehend mit Monika zusammen
ist. Michael, der sehr häuslich ist, hängt an den
alten Erbstücken seiner Eltern, die Sandra ganz schrecklich
findet. Monika möchte viele Kinder haben und findet es
ganz toll in dem Haus. Michael mag Monika, vielleicht mehr
als Sandra, und zeigt ihr das ganze Haus, einschließlich
der Matratze auf dem Dachboden ... Und so plätschert
das Stück dahin. Keine Spannung, keine Handlung, keine
echten Beziehungen zwischen den Personen, und dann ist da
stets der Koi (Fisch!) im Mittelpunkt, den Michael über
alles liebt.
Die
Töchter von Taubenhain beginnt mit einem Prolog
im Paradies: Eine nackte Frau findet einen nackten Mann. Sie
beschließen "zu vögeln". Es ist natürlich
nicht das Paradies, sondern der ummauerte Garten der Villa
von Dr. Bürger. In dieser Villa hält Bürger
seine drei Töchter wie Gefangene, weil die Welt draußen
in der Stadt so schmutzig und böse ist.
Die
Frau aus dem Prolog entpuppt sich als die jüngste Tochter
Sophie (30), und den Mann lernen wir kennen als Reinhard (22),
ein Biologiestudent, der Flechten sammelt und ohne böse
Absichten durch das Loch in der Mauer in den mysteriösen
Garten, der für ihn eine Fundgrube für Flechten
darstellt, eingedrungen ist. Sophie ist jetzt schwanger. Zwischen
den drei Schwestern kommt es zu einer Rivalität um Reinhard.
Obwohl sie es nie zugeben, wollen alle drei fort von ihrem
Vater. Am Ende erfährt man, dass alle Männer, die
bislang in den Garten eingedrungen sind, bei Unfällen
ums Leben kamen, dass Bürger seine Frau getötet
und dass Sophie das Kind ihrer älteren Schwester Dorothee
zu Tode gedrückt hat. Sophie erschießt ihren Vater
und Reinhard. Das Stück ist ein verquastes Sammelsurium
von Zitaten aus Mythologie, Religion, Tschechows Drei Schwestern,
Gedichten, Liedern, Märchen. Nur das Happy End bleibt
aus.
Der
Kuß des Kohaku wurde im April in Hamburg, Die
Töchter von Taubenhain im November in Luzern uraufgeführt.
Wie zu erwarten, blieben die großen Erfolge aus. Ich
wünsche dem wirklich begabten Autor Peter Stamm, dass
er aus diesen Aufführungen viele Anregungen für
seine weitere Arbeit erhalten hat und dass seine nächsten
Stücke hoffentlich die gleiche Qualität wie seine
Romane und Erzählungen erreichen, damit wir als Leser
und Zuschauer vielleicht tatsächlich demnächst "fürs
Leben daraus lernen" können.
(©
2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)
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