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Sonstiges

Der Kuß des Kohaku
Stücke
Autor: Peter Stamm
Taschenbuch/broschiert, 187 Seiten
erschienen: September 2004
Arche Verlag
ISBN: 3-7160-2335-3
Preis: 14,00 Euro

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Rückentext:
Der Kuß des Kohaku, Die Töchter von Taubenhain, Die Planung des Planes. Zwei Stücke und ein Monolog.

"Ein Theaterstück ist kein Theater, sondern ein Stück Leben."

Peter Stamm

Zum Autor:
Peter Stamm, geb. 1963. Nach einer kaufmännischen Lehre einige Jahre Studium der Anglistik, Psychologie, Wirtschaftsinformatik und Psychopathologie in Zürich. Seit 1990 freier Autor und Journalist. Längere Aufenthalte in Paris, New York und Skandinavien. Schreibt u. a. für die »Neue Züricher Zeitung«, die »Weltwoche« und das Magazin des »Tages-Anzeiger«.
Verfaßte für den »Nebelspalter« 1993-98 rund 300 Texte (Satiren, Parodien, Film- und Theaterkritiken). Mehrere Hörspiele (DRS, Radio Bremen, WDR u. a.), ein Theaterstück, Beiträge für verschiedene Bücher. Seit 1997 Redakteur der Literaturzeitschrift »Entwürfe für Literatur«. Lebt in Winterthur.

(© 2004 Arche Verlag)


Buchbesprechung - Rezension:
Nur noch äußerst selten bringen Verlage heutzutage die Stücke ihrer Autoren als Buchausgabe heraus, wenn diese nicht gerade Botho Strauß, Peter Handke, Eric-Emmanuel Schmitt oder Elfriede Jelinek heißen. Um so überraschender ist es daher, dass der Arche Verlag die ersten zwei Stücke seines als Dramatiker bislang noch unbekannten Schweizer Autors Peter Stamm als Buch präsentiert.

Peter Stamm debütierte 1998 mit dem sprachlich herausragenden, zarten Roman Agnes. Sowohl sein Erstlingswerk als auch der ein Jahr später folgende Erzählungsband Blitzeis wurden von Presse und Lesern wegen der außergewöhnlichen Sprachgewalt des Autors zu Recht hoch gelobt.

"Schon seit längerem hat der Prosaautor Peter Stamm das Theater als eine sehr aktuelle Kunstform entdeckt. Mit diesen Stücken gehört er endgültig in die Reihe der vielversprechenden Theaterautoren der Gegenwart." Mit diesen Sätzen wird das Buch vom Verlag angepriesen. Und: "Es lohnt sich, diese Stücke zu lesen und fürs Leben daraus zu lernen." - Na ja, vielleicht geht's auch eine Nummer kleiner; hier ist wohl die Phantasie mit den Werbeleuten im Verlag ein wenig durchgegangen. Während ich Agnes und Blitzeis auch für zwei brillante Prosatexte halte, muss ich leider sagen, dass die drei hier versammelten Theatertexte (zwei Stücke, ein Monolog) ziemlich belanglos sind. Bevor wir daraus "fürs Leben lernen", muss der Autor noch einiges übers Dialogeschreiben, über Dramaturgie und Figurengestalten lernen. Es sind Stücke ohne Handlung und dramatische Spannung, zwar in einer gehobenen literarischen Sprache, jedoch kaum Dialoge, also gesprochene Sprache.

In Der Kuß des Kohaku kommen zwei Paare in der alten Villa, die Michael kürzlich geerbt hat, zusammen. Michaels Freundin Sandra hatte vorher ein Verhältnis mit Günter, der jetzt vorübergehend mit Monika zusammen ist. Michael, der sehr häuslich ist, hängt an den alten Erbstücken seiner Eltern, die Sandra ganz schrecklich findet. Monika möchte viele Kinder haben und findet es ganz toll in dem Haus. Michael mag Monika, vielleicht mehr als Sandra, und zeigt ihr das ganze Haus, einschließlich der Matratze auf dem Dachboden ... Und so plätschert das Stück dahin. Keine Spannung, keine Handlung, keine echten Beziehungen zwischen den Personen, und dann ist da stets der Koi (Fisch!) im Mittelpunkt, den Michael über alles liebt.

Die Töchter von Taubenhain beginnt mit einem Prolog im Paradies: Eine nackte Frau findet einen nackten Mann. Sie beschließen "zu vögeln". Es ist natürlich nicht das Paradies, sondern der ummauerte Garten der Villa von Dr. Bürger. In dieser Villa hält Bürger seine drei Töchter wie Gefangene, weil die Welt draußen in der Stadt so schmutzig und böse ist.

Die Frau aus dem Prolog entpuppt sich als die jüngste Tochter Sophie (30), und den Mann lernen wir kennen als Reinhard (22), ein Biologiestudent, der Flechten sammelt und ohne böse Absichten durch das Loch in der Mauer in den mysteriösen Garten, der für ihn eine Fundgrube für Flechten darstellt, eingedrungen ist. Sophie ist jetzt schwanger. Zwischen den drei Schwestern kommt es zu einer Rivalität um Reinhard. Obwohl sie es nie zugeben, wollen alle drei fort von ihrem Vater. Am Ende erfährt man, dass alle Männer, die bislang in den Garten eingedrungen sind, bei Unfällen ums Leben kamen, dass Bürger seine Frau getötet und dass Sophie das Kind ihrer älteren Schwester Dorothee zu Tode gedrückt hat. Sophie erschießt ihren Vater und Reinhard. Das Stück ist ein verquastes Sammelsurium von Zitaten aus Mythologie, Religion, Tschechows Drei Schwestern, Gedichten, Liedern, Märchen. Nur das Happy End bleibt aus.

Der Kuß des Kohaku wurde im April in Hamburg, Die Töchter von Taubenhain im November in Luzern uraufgeführt. Wie zu erwarten, blieben die großen Erfolge aus. Ich wünsche dem wirklich begabten Autor Peter Stamm, dass er aus diesen Aufführungen viele Anregungen für seine weitere Arbeit erhalten hat und dass seine nächsten Stücke hoffentlich die gleiche Qualität wie seine Romane und Erzählungen erreichen, damit wir als Leser und Zuschauer vielleicht tatsächlich demnächst "fürs Leben daraus lernen" können.

(© 2004 Hartmut Faustmann für all-around-new-books.de)

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