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Inhalt:
Wie immer zeigt sich Celine auch in seinem Roman "Tod
auf Kredit" vom Tod besessen, nichts zählt neben
der Tatsache, daß eines Tages alle verrecken müssen.
Das erklärt seinen Ekel und seine Verzweiflung, seinen
Haß. In einer faszinierenden Sprache - bald trockene,
bissige, harte mit Argot versetzte Sprachprosa bald nahe am
Gedicht hinströmend als dunkle Moll-Melodie - wird in
diesem Roman über einen armen Arzt der Klinik einer Pariser
Vorstadt soviel ins Bewußtsein gehoben, artikuliert,
beleuchtet, erhellt, daß er keiner Rechtfertigung bedarf.
(©
1994 Rowohlt Verlag)
Buchbesprechung - Rezension:
Mit seinem zweiten Roman Tod auf Kredit zeigt Céline
dieselbe literarische Größe wie bei seinem umjubelten
Erstling Reise
ans Ende der Nacht. Von einigen Kritikern wird Tod
auf Kredit für das bessere Buch gehalten. Vom erzählerischen
her ist es dies sicher auch. Céline identifiziert sich
hier erstmals namentlich mit seinem Helden, der Ferdinand
heißt.
Gelungen
ist schon der Einstieg. Der Autor lässt den Ich-Erzähler
von seinem Leben als Armenarzt erzählen und springt dann
in die Kindheit von Ferdinand. Dort nimmt er den Leser mit
auf eine unwiderstehliche Reise durch die Wirrnisse dieser
Jugend.
In Célines Prosa wettert es natürlich wieder in
unnachahmlicher Art. Eine Einschätzung Ferdinands über
seine Eltern, der Vater ist Angestellter bei einer Feuerversicherung,
die Mutter betreibt ein Geschäft, zeigt dies wohl exemplarisch:
"Ich für meinen Teil ziehe keinen von beiden vor.
Was wüstes Geschimpfe und Doofheit betrifft, finde ich
sie beide gleich ... Sie haut weniger fest, aber öfter.
Wen von beiden möchte ich lieber umgebracht sehen? Ich
glaube, doch noch meinen Papa."
Nach
unregelmäßigen Schulbesuchen beginnt Ferdinands
ebenso erfolglose Zeit einer beruflichen Ausbildung im kaufmännischen
Bereich bei "Berlope und Sohn" und als Vertreter
für den Ziselier Gorloge. Die Zeit als Vertreter ist
ein Kabinettstück der Literatur, wohl die tragikkomischste
Episode des Buches. Als der Held auch in der Vertretertätigkeit
scheitert, wird er auf Anraten und Bitten seines Onkels Edouard
in das Meanwell College nach England geschickt.
Der
zweite Teil des Buches beschreibt die Zeit Ferdinands bei
dem kauzigen Erfinder Roger-Martin Courtial des Pereires.
Ebenfalls durch die Vermittlung seines Onkels Edouard, der
dem Jungen als einziger immer wieder hilft, kommt Ferdinand
zu diesem Mann. Ferdinand begleitet Courtial bei der Ausführung
seiner irrwitzigen Ideen, bis der Erfinder gescheitert Selbstmord
begeht.
Dieser
Roman, mit seinen gekonnt gesetzten stilistischen Tempowechseln,
mit seiner so aggressiven, verzweifelten Sprache und seiner
so grotesk wie anrührenden, so tragisch wie zynischen
Handlung ist ein großes Werk. Es gibt wohl kaum Vergleichbares
in der Literatur des 20. Jahrhunderts. Célines Mittel
ist das Extrem, und darin ist er ein Meister. Ein lesenswertes
Buch, bei dem der Céline-Erstleser einen großen
Autoren kennen lernt.
(©
2004 Ulf Großmann für all-around-new-books.de)
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