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Wirtschaft, Politik & Zeitgeschichte

Willkommen in der Wirklichkeit
Wie Deutschland den Abstieg vermeiden kann

Autor: Nikolaus Piper

Taschenbuch, 180 Seiten
erschienen: November 2004
dtv
ISBN: 3-423-24442-9
Preis: 12,00 Euro

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Inhalt:
Wettbewerb und persönliche Freiheit als Paradigmen des kommenden Jahrzehnts

»Globalisierung« ruft bei vielen Menschen neben positiven Eindrücken auch Ängste hervor: Verlust des Arbeitsplatzes, Staatsverschuldung, Einwanderung, sogar unsichere Renten und wachsende Kriminalität, kurz: den Verlust des Vertrauten.
Seit der EU-Osterweiterung leben in Deutschlands unmittelbarer Nachbarschaft Menschen, die gut gebildet sind, Zugang zu den europäischen Märkten haben und erstklassige Arbeit für einen Bruchteil des in Deutschland üblichen Lohns verrichten.

Der Wirtschaftsjournalist Nikolaus Piper warnt vor einem »Inseldasein« Deutschlands und setzt sich für ein Umdenken in der Gesellschaft ein. Man müsse die Chancen nutzen, die die Weltwirtschaft biete. Die Paradigmen für die nächsten zehn Jahre könnten daher nicht mehr Sicherheit und Gleichheit sein; sie müssten lauten: Wettbewerb – um Arbeitsplätze, Kapital, Ideen – und persönliche Freiheit.


Zum Autor:
Nikolaus Piper, geboren 1952, diplomierter Volkswirt, arbeitet seit Jahren als Wirtschaftsjournalist, zunächst bei ›Vorwärts‹, Associated Press und der ›Zeit‹. Seit 1997 ist er bei der ›Süddeutschen Zeitung‹ und dort seit 1999 Ressortleiter Wirtschaft. Mehrere Buchveröffentlichungen, darunter Geschichte der Wirtschaft, 2003 als bestes Sachbuch mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis prämiert. Zudem wurde er bereits mit dem Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik sowie dem Quandt-Medienpreis ausgezeichnet.

(© 2004 Deutscher Taschenbuchverlag)


Buchbesprechung - Rezension:
Am Standort Deutschland sieht es nach Opel, VW und Karstadt düster aus. Alle reden von Krise, die Stimmung ist im Keller. Die deutsche Wirtschaft hat seit Jahren ihren Schwung verloren, ja sie stagniert. Doch wie kam es zu dieser ökonomischen Talfahrt? „Irgendwann haben die Ökonomen in Deutschland die Deutungsmacht über ökonomische Sachverhalte verloren“, schreibt der Wirtschafts-Experte und Journalist Nikolaus Piper bereits in der Einleitung zu seiner kritischen Bestandsaufnahme des Standortes Deutschland. Der Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft war so überwältigend, dass niemand über die Voraussetzungen dieses Erfolgs nachdachte. Für die meisten Bundesbürger war das „Wirtschaftswunder“ irgendwann zur Selbstverständlichkeit geworden.

Kein Wunder also, dass dieser beispiellose Erfolg Gegenreaktionen auslöste und in den 60-er Jahren eine Rebellion gegen eben diesen Wohlstand begann. „Konsumterror“, Neuverteilung der Reichtümer und Abschied von der Wohlstandsgesellschaft waren die Schlagwörter. Der Autor gibt einen kurzen geschichtlichen Überblick der deutschen Wirtschaftsgeschichte von Ludwig Erhard bis zur Agenda 2010. Im Mittelpunkt steht die deutsche Einheit, die aus den latenten Strukturproblemen der alten Bundesrepublik eine Wirtschaftskrise werden ließ. Die ökonomischen Fehler, die vor 15 Jahren begangen wurden, belasten die Nation heute.

Globalisierung, Strukturwandel ... eine Standortdebatte ist notwendig, obwohl sie bisweilen zum taktischen Klagelied wird. Nikolaus Piper, Wirtschafts-Ressortleiter der „Süddeutschen Zeitung“, meint auf seinen knapp zweihundert Seiten: „Es ist genug gejammert.“ Fakt ist, die Wirtschaftslage Deutschlands hat sich im Vergleich zu anderen Industrienationen deutlich verschlechtert. Das Buch bietet eine brillante Analyse der Ursachen. Dabei unternimmt der Autor eine schonungslose Aufklärung über Export-Weltmeister, Ost-Transfer, Mitbestimmung, Arbeitslosigkeit, Steuerehrlichkeit und Reformfähigkeit, jene Begriffe, die pausenlos im Wirtschaftsteil der Zeitungen und an den Stammtischen diskutiert werden.

„Wie Deutschland den Abstieg vermeiden kann?“ - im Schlusskapitel stellt Nikolaus Piper sein begrenztes, aber mutiges Reformprogramm in elf Punkten vor. Sicher ein streitbarer Maßnahmenkatalog, dessen Verwirklichung so schwierig wäre, weil viele Schritte unpopulär sind. Doch nur durch eine schonungslose Aufklärung und Transparenz, wie sie hier geleistet wird, kann eine ausreichende Bereitschaft in der Bevölkerung entstehen. Die Menschen brauchen eine Perspektive, sie müssen die Richtung erkennen.

Der Text ist scharfsinnig und provozierend geschrieben, auch für den ökonomischen Laien gut verständlich. Nikolaus Piper hat das Talent, Otto Normalverbraucher die Wirtschaft und die notwendigen Weichenstellungen für die nächsten Jahre zu erklären. Ein Buch, das aufmerksam macht auf die ökonomischen Realitäten und das eine sehr gute Empfehlung für alle ist, die sich einen fundierten Überblick zu diesem Thema verschaffen wollen. Es ist an der Zeit, dass die Deutschen erkennen: Deutschland ist ein Land wie jedes andere und muss seine Probleme selbst lösen – „Willkommen in der Wirklichkeit“.

(© 2004 Manfred Orlick für all-around-new-books.de)

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